Das Gespräch mit Donna und Joda ist eine Selbstdarstellung des Karlsruher Kollektivs Umpolen. Die beiden schildern, wie sie mit ihrer Gruppe leerstehende Räume temporär bespielen – diesmal den ehemaligen Löwenbräukeller. Im Vordergrund steht der Wunsch, Orte ohne Konsumzwang zu schaffen, an denen Menschen niedrigschwellig zusammenkommen können. Der Leerstand wird dabei als Gelegenheit präsentiert, die sich aus der Not fehlender bezahlbarer Räume ergibt und mit einer Kritik an schrumpfenden Kulturförderungen verbunden wird.

Zentrale Punkte

  • Zwischennutzung als Gegenmodell Umpolen nutze Leerstand für temporäre Kulturprojekte, weil günstige oder mietfreie Räume sonst kaum verfügbar seien. Das Modell ermögliche konsumfreie Begegnungsorte, die ohne Eintritt oder Kaufzwang offen stünden – eine Reaktion auf fehlende Gelder und eine als rückläufig wahrgenommene Kulturlandschaft.
  • Vernetzung und Nachhaltigkeit über den Ort hinaus Ziel des Projekts sei nicht nur das Bespielen eines Raums, sondern das Knüpfen von Verbindungen zwischen Initiativen und Nachbar:innen. Auch nach Ende der Zwischennutzung sollten die entstandenen Kontakte weiterwirken. Dafür arbeite Umpolen mit lokalen Gruppen zusammen und stelle den Raum für andere zur Verfügung.

Einordnung

Die Stärke dieser Episode liegt darin, dass sie Aktivist:innen selbst zu Wort kommen lässt und einen konkreten Einblick in eine lokale, selbstorganisierte Praxis gibt. Die Schilderungen machen nachvollziehbar, wie aus persönlichen Netzwerken und pragmatischen Gelegenheiten ein niedrigschwelliges Kulturangebot entsteht. Begriffe wie „konsumfreier Raum" oder „Begegnungsort" werden mit konkreten Beispielen unterfüttert.

Allerdings bleibt das Gespräch durchgängig Selbstauskunft. Es gibt keine kritischen Nachfragen zu Herausforderungen: Wie geht die Gruppe mit Interessenkonflikten im Stadtteil um? Was bedeutet es, wenn eine geschlossene Freund:innengruppe einen offenen Raum für alle gestalten will? Die Erzählung bewegt sich im Rahmen eines aktivistischen Selbstverständnisses, das die eigenen Ziele – Vernetzung, Offenheit, Konsumfreiheit – als unhinterfragt positiv setzt. Die komplette Abwesenheit von Reibungspunkten oder Widersprüchen lässt das Bild eines Projekts entstehen, das nur glücken kann.