Der vorliegende Text dokumentiert ein Gespräch zwischen dem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und der Rechtswissenschaftlerin Lina Khan am CUNY Graduate Center. Khan, ehemalige Vorsitzende der US-Wettbewerbsbehörde (FTC) und Co-Vorsitzende des Übergangsteams von Zohran Mamdani, dem designierten Bürgermeister von New York City, erläutert ihren intellektuellen und politischen Werdegang. Zunächst beschreibt sie ihre Recherchen zur Marktkonzentration in der Landwirtschaft, wo Zwischenhändler sowohl Landwirt:innen als auch Konsument:innen ausbeuteten. Diese Erkenntnisse übertrug sie auf digitale Märkte. In einer bahnbrechenden Analyse über Amazon argumentierte sie, dass die traditionelle Kartellrechtspraxis, die sich nur auf kurzfristige Preiseffekte konzentriere, die Gefahren von Plattformmonopolen übersehe. Im Rückblick auf ihre Zeit bei der FTC betont Khan ihren Fokus auf Sektoren, die das Leben der Bürger:innen massiv beeinflussen, insbesondere das Gesundheitswesen und den Arbeitsmarkt. Sie skizziert, wie die Behörde gegen Krankenhausfusionen und missbräuchliche Wettbewerbsverbote für Arbeitnehmer:innen vorging. Eine zentrale These lautet, dass Monopolisierung nicht nur Preise treibe, sondern systemische Vulnerabilitäten schaffe. Bei der Knappheit von Babynahrung habe sich gezeigt, dass "die Konzentration der Produktion auch Risiken konzentrieren kann". Im zweiten Teil steht Khans Rolle im Übergangsteam von Mamdani im Zentrum. Das Ziel der Stadtregierung sei es, die Lebenshaltungskosten drastisch zu senken. Khan erörtert Strategien, um "gegen diese ausbeuterischen Mittelsmänner vorzugehen", etwa bei Lieferdiensten. Zudem plädiert sie für öffentliche Alternativen wie städtische Supermärkte zur Bekämpfung von Lebensmittelwüsten. Ein Fokus liegt auf der Reaktivierung ungenutzter Gesetze, um Unternehmensmacht kommunal zu regulieren. Drohungen, wonach Unternehmen wegen solcher Regulierungen die Stadt verlassen könnten, hält sie für überzogen; stattdessen sei eine Flucht der Arbeiterklasse zu beobachten. ## Einordnung Das Interview bietet tiefe Einblicke in ein progressives, antimonopolistisches Wirtschaftsverständnis, das neoliberale Dogmen hinterfragt. Khan und Krugman rahmen das Problem der Erschwinglichkeit konsequent als Machtfrage. Auffällig ist dabei die Harmonie zwischen den Gesprächspartnern: Krugman fungiert primär als Stichwortgeber, der Khans Positionen stützt. Konservative oder wirtschaftsliberale Gegenstimmen, die vor Ineffizienzen staatlicher Eingriffe warnen würden, bleiben gänzlich ausgeblendet. Die unausgesprochene Grundannahme des Textes ist, dass staatliche Regulierung und öffentliche Optionen zwingend zu gerechteren Marktergebnissen führen. Ideologisch positioniert sich der Newsletter aufseiten der Arbeiterklasse und kleiner Unternehmen, während Großkonzerne als systemisches Problem gelten. Für wirtschaftspolitisch interessierte Leser:innen, die verstehen möchten, wie die moderne Anti-Monopol-Bewegung in die konkrete Kommunalpolitik übersetzt wird, ist dieses Transkript äußerst lesenswert. Es veranschaulicht die Werkzeuge einer progressiven Agenda präzise, erfordert jedoch die Bereitschaft, einseitige Perspektiven kritisch zu lesen.