Der Newsletter "Public Notice", der sich der Berichterstattung über US-Politik widmet, analysiert die mentale Verfassung von Donald Trump und die angebliche Zurückhaltung der etablierten Presse. Der Text basiert auf der Prämisse, dass der amtierende Präsident psychisch instabil sei. Als Indizien werden fabrizierte Unterhaltungen, unmögliche Behauptungen sowie die Verunglimpfung kürzlich verstorbener Personen wie Rob Reiner oder Robert Mueller genannt. Im Zentrum steht ein Interview des Autors Thor Benson mit Mark Jacob, einem ehemaligen Redakteur der Chicago Tribune. Jacob argumentiert, dass Medienhäuser aus Angst, parteiisch zu wirken, in eine gefährliche Passivität verfallen seien. Anstatt Trumps Verhalten einzuordnen, betreibe die Presse sogenanntes "Sanewashing". Sie würde seine wirren Aussagen glätten, um sie kohärenter erscheinen zu lassen. Ein Hauptkritikpunkt ist das Fehlen übergeordneter Analysen. Bizarre Aussagen Trumps würden nur als isolierte Tagesmeldungen behandelt. Jacob fordert Berichte, die das Gesamtbild einer mentalen Ungeeignetheit zeichnen. Er illustriert dies durch einen Vergleich: Während die Medien Joe Biden massiv auf seine Eignung geprüft hätten, bliebe diese Distanz bei Trump aus. Jacobs radikale Haltung wird in der zitierten Forderung deutlich, die Presse müsse über Trumps fehlende Eignung schreiben, "until we get rid of him and save our country". Das mediale Versagen liege daran, dass Journalist:innen "used to covering facts, not fantasies" seien. ## Einordnung Der Text nimmt eine aktivistische Perspektive ein. Konservative Stimmen kommen nicht zu Wort; der Diskurs verengt sich auf die Kritik an Trump und dem Medienestablishment. Dem Newsletter liegt die Annahme zugrunde, dass die Aufgabe der Medien darin bestehen müsse, aktiv vor dem Präsidenten zu warnen. Die Grenze zwischen Berichterstattung und offenem politischem Widerstand verschwimmt hierbei zusehends. Rhetorisch arbeitet der Text intensiv mit pathologisierenden Narrativen. Die Beschreibungen setzen politisch untragbares Verhalten mit psychischer Krankheit gleich. Dieses Framing ist stark polarisierend und legitimiert medizinische Ferndiagnosen durch Laien als publizistisches Mittel. Die Relevanz des Textes liegt in der Debatte über die Verantwortung des Journalismus im Umgang mit politischem Extremismus. Der Newsletter ist lesenswert für Menschen, die Argumente für eine offensivere Berichterstattung suchen. Für Leser:innen, die eine politisch neutrale Analyse erwarten, gilt jedoch eine Lesewarnung.