In einem Gespräch im Freien Radio stellen Beate Ludwig und Thomas Gärtner die Leipziger Regionalgruppe der Omas for Future vor. Sie sprechen über ihre jüngsten Aktionen, ihre Art der Klimakommunikation und darüber, wie sie versuchen, Menschen zu erreichen. Das Gespräch wird vom Interviewer wohlwollend und mit viel Raum für ausführliche Antworten geführt. Es geht weniger um eine kritische Debatte als um eine Selbstdarstellung der Initiative. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Klimaschutz nicht durch Problembeschreibungen, sondern durch positive Beispiele, Optimismus und spielerische Wissensvermittlung vorangebracht werden müsse. Begriffe wie „Transformation“ und das Ziel, Städte „lebenswerter“ zu machen, werden als allgemein geteilte Werte vorausgesetzt; sie werden nicht näher in ihrer politischen Dimension oder in möglichen Zielkonflikten ausgeleuchtet.

Zentrale Punkte

  • Spielerisch statt mit dem Zeigefinger Die Omas for Future Leipzig hätten für sich entdeckt, dass reine Problemaufrisse für den Klimaschutz Menschen eher abschreckten. Ihre Strategie sei es nun, über Quiz-Formate, Kinderbücher und alltagstaugliche Broschüren Wissen niederschwellig zu vermitteln und positive Zukunftsbilder zu zeigen, die es in skandinavischen und deutschen Städten bereits gebe.
  • Das Verbindende der Krisen betonen In Gesprächen mit Passant:innen werde versucht, die Klimakrise stets mit anderen drängenden Problemen zu verknüpfen. So argumentierten die Aktivist:innen, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht nur das Klima schädige, sondern auch in Kriege und – etwa bei Mietern – in soziale Kostenfallen führe.
  • Eigener Antrieb durch Gemeinschaft Die Gruppe, die als Teil der Generation „50 plus“ eine Antwort auf Fridays for Future sein wolle, schöpfe ihre Motivation stark aus dem gemeinschaftlichen Handeln und dem persönlichen Austausch vor Ort und auf bundesweiten Treffen. Diese Gemeinschaftserfahrung schütze vor Resignation und halte die Einzelnen trotz der Schwere der Lage bei der Sache.

Einordnung

Die Episode bietet einen unaufgeregten Einblick in die Alltagsarbeit einer lokalen Klimainitiative. Die Stärke liegt in der Konkretion: Statt abstrakter Forderungen werden handfeste Projekte wie das Vorlesen in Schulen, das Verteilen eines „Restekochbuchs“ oder die Teilnahme an Sommerfesten geschildert. Das vermittelt ein lebendiges Bild davon, wie Graswurzelarbeit funktioniert und welche kleinen, aber stetigen Erfolge sie bringen kann. Die Strategie, mit positiven Narrativen und spielerischen Elementen zu arbeiten, wird nachvollziehbar am Beispiel des Kinderquiz erläutert. Das Gespräch bleibt durchweg nah an den Menschen und ihrer Praxis.

Kritisch anzumerken ist, dass die strukturellen und wirtschaftlichen Hürden der Energiewende kaum differenziert werden. Die Rolle von fossilen Energieunternehmen wird pauschal mit einem Verweis auf den „Kapitalismus“ beantwortet, während Wechselwirkungen zwischen Klimapolitik und sozialer Ungleichheit nur angerissen werden. Die Frage, wie die postulierten positiven Lösungen („die Lösungen sind schon da“) flächendeckend und unter Berücksichtigung begrenzter Ressourcen umgesetzt werden können, wird nicht aufgeworfen. Das Format des freundlichen Radiogesprächs ebnet Perspektiven ein, die über den Aktivismus-Horizont hinausweisen könnten. Mit Blick auf die Diskurskultur fällt lediglich eine Stelle auf, an der eine Sprecherin den Widerstand gegen die eigene Arbeit mit den Worten „Bei den alten weißen Männern ist es wirklich problematisch“ entlang der Kategorien Alter, Geschlecht und Hautfarbe verallgemeinert – eine bemerkenswerte Pauschalisierung, die unkommentiert im Raum stehen bleibt.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die sich für praktische, lokale Klimaarbeit und generationenübergreifende Ansätze interessieren, liefert das Gespräch anschauliche und motivierende Einblicke.

Sprecher:innen

  • Beate Ludwig – Aktivistin der Omas for Future, Regionalgruppe Leipzig
  • Thomas Gärtner – Mitgründungsmitglied der Omas for Future, Regionalgruppe Leipzig
  • Thomas (Interviewer) – Moderator des Beitrags im Freien Radio