Diese Episode der Dunkelkammer dokumentiert die Pilgerfahrt dreier Augustiner-Chorfrauen nach Rom – eine Reise, die zum öffentlichen Konflikt zwischen den betagten Nonnen und ihrer Ordensobrigkeit eskaliert. Edith Meinhart begleitet Schwester Bernadette, Schwester Rita und Schwester Regina zur Generalaudienz bei Papst Leo XIV. und lässt sie, ihre Sprecherin Christina Wirtenberger sowie Helferinnen ausführlich zu Wort kommen. Im Zentrum steht nicht nur die spirituelle Bedeutung der Reise, sondern vor allem die Auseinandersetzung darüber, wer über die Bewegungsfreiheit der Ordensfrauen bestimmen darf. Die Erzählung ist parteiisch: Die Nonnen und ihr Unterstützerkreis werden als selbstbestimmt Handelnde dargestellt, während die Ordensoberen als Vertreter eines patriarchalen Systems erscheinen, das mit Unwahrheiten operiere.
Zentrale Punkte
- Reiseverbot, das keines war Der Assistent der Ordensoberen habe die Nonnen eine Verzichtserklärung unterschreiben lassen. Nach rechtlicher Prüfung durch einen Anwalt und Rückfragen beim Dikasterium in Rom habe sich jedoch herausgestellt, dass weder der Apostolische Kommissar noch dessen Assistent ein Verbot ausgesprochen hätten – die Reise sei kirchenrechtlich zulässig gewesen.
- Verschwunden oder entführt? Obwohl die Ordensoberen über die Abreise informiert gewesen sein müssten, habe deren Sprecher öffentlich erklärt, die Nonnen seien unauffindbar, und mit einer Anzeige bei den Behörden gedroht. Die Helferinnen der Nonnen wiesen diese Darstellung als „Unwahrheiten“ und „Verschwörungstheorien“ zurück.
- Ein geistliches Erlebnis als Akt der Selbstbehauptung Für die weit über 80-jährigen Schwestern sei die Begegnung mit dem Papst ein Höhepunkt ihres Lebens gewesen. Die Schilderungen ihrer Freude und Ergriffenheit kontrastieren in der Episode scharf mit den kirchenrechtlichen Grabenkämpfen, die die Reise fast verhindert hätten.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt in der dichten, atmosphärischen Reportage: Edith Meinhart war vor Ort, lässt die Nonnen und ihre Helferinnen in eigenen Worten sprechen und belegt die Vorgänge mit schriftlichen Dokumenten – etwa der Mail des Pressesprechers, die bestätigt, dass kein Reiseverbot vorlag. Die emotionale Innensicht der Beteiligten macht den Konflikt greifbar, und die chronologische Erzählweise von der Abreise bis zur Rückkehr gibt dem komplexen kirchenrechtlichen Streit eine nachvollziehbare Struktur.
Die Episode setzt allerdings eine klare Täter-Opfer-Erzählung voraus, ohne sie zu hinterfragen. Die Perspektive der Ordensoberen wird nur aus zweiter Hand wiedergegeben – Propst Markus Grasel und Erzabt Jakob Auer kommen nicht selbst zu Wort. Auch die Vorgeschichte des Konflikts – warum die Nonnen überhaupt in ein Altersheim gebracht werden sollten – bleibt für neue Hörer:innen weitgehend unklar. Die Darstellung der katholischen Kirche als patriarchales System wird als selbstverständlicher Deutungsrahmen gesetzt, ohne dass alternative Lesarten erwogen werden. Ein bezeichnendes Zitat aus dem Pressestatement der Helferinnen macht diesen Blickwinkel explizit: Die Schwestern sollten „nicht länger den patriarchalen Machtspielen außenstehender ausgesetzt sind“.
Hörempfehlung: Die Episode lohnt sich für alle, die ein Gespür dafür bekommen wollen, wie innerkirchliche Machtkämpfe auf dem Rücken betagter Ordensfrauen ausgetragen werden – vorausgesetzt, man akzeptiert die deutlich parteiische Erzählhaltung.
Sprecher:innen
- Edith Meinhart – Investigativjournalistin, Host der Dunkelkammer, Autorin des Buchs „Nicht mit uns“
- Christina Wirtenberger – Ehemalige Goldenstein-Schülerin, Sprecherin und Helferin der Nonnen
- Dr. Dr. Wolfgang Rothe – Priester, Theologe und Kirchenrechtler, berät die Nonnen rechtlich