Zwei ältere weiße Männer, die für traditionelle Führungsstile und unverblümte Sprache stehen – so ließe sich diese Ausgabe von „maischberger“ grob umreißen. Der neue FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki will seine Partei aus der Bedeutungslosigkeit zurück in den Bundestag führen, während der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp das Bild des patriarchalischen Unternehmers verkörpert, der noch per Handschlag Geschäfte besiegelte. Die Diskussion kreist um die Frage, warum Politik und Wirtschaft im Land nicht mehr funktionieren – und um die Sehnsucht nach Klarheit, Hierarchie und „starken Männern“.

Die eingeladenen Kommentator:innen Iris Sayram, Susanne Gaschke und Marcel Reif ordnen ein, was Kubicki und Grupp über die Ampel-Regierung, die AfD und den Zustand der Demokratie zu sagen haben. Dabei wird schnell deutlich: Kubickis Problem mit der „Brandmauer“ und Grupps patriarchalische Betriebsauffassung entspringen ähnlichen Vorstellungen von Führung, Autorität und dem richtigen Umgang mit Konflikten.

Zentrale Punkte

  • FDP und die „Brandmauer“ – Offenheit als Strategie Kubicki behaupte, die strikte Abgrenzung zur AfD habe diese nur gestärkt. Er plädiere dafür, Anträge auch mit deren Stimmen durchzubringen, lehne aber Koalitionen und gemeinsame Anträge strikt ab – eine taktische Unterscheidung, die innerparteilich umstritten sei.

  • Die Ampel als führungslose Mannschaft Die Bundesregierung wird als handlungsunfähig dargestellt. Olaf Scholz sei als akribischer „Aktenfresser“ gescheitert, Friedrich Merz kommuniziere katastrophal. Der zentrale Vorwurf laute: Beide Koalitionen litten unter Führungsschwäche und mangelnder Mehrheitsfähigkeit.

  • Grupps patriarchalische Betriebsordnung Wolfgang Grupp stelle Trigema als „Betriebsfamilie“ dar, in der er Arbeitsplätze garantierte und dafür bedingungslose Leistung einforderte. Work-Life-Balance sei in dieser Logik ein Fremdwort gewesen – die Trennung zwischen Chef und Belegschaft erscheine weniger als Vertragsverhältnis denn als persönliches Treueverhältnis.

  • Demokratie als Hindernis – Grupps autoritärer Unterton Grupp erkläre, er könne nicht in einer Demokratie arbeiten, sondern nur in einer Diktatur, weil er Kompromisse nicht ertrage. Politik sei für ihn kein Feld der Aushandlung, sondern der klaren Entscheidung – eine Haltung, die er auch auf sein eigenes Unternehmen übertragen habe.

Einordnung

Die Episode schafft es, zwei politisch-unternehmerische Lebenswelten sichtbar zu machen, die sich gegen den vermeintlichen Mainstream stellen. Kubicki kann seine Positionierung zur AfD ausführlich erläutern – und tut dies mit der für ihn typischen rhetorischen Zuspitzung. Die Kommentatorinnen Gaschke und Sayram bringen kritische Nachfragen ein, die aber oft ins Leere laufen, weil Kubicki und Grupp ihre Positionen als alternativlos darstellen.

Kritisch bleibt, dass zentrale Prämissen unhinterfragt stehen bleiben. Wirtschaftliches Wachstum und traditionelle Arbeitsmoral werden als unhinterfragte Norm gesetzt. Die Demokratie-Kritik von Grupp – „ich könnte nie in eine Demokratie gehen, sondern wenn dann in eine Diktatur“ – verpufft fast ein wenig; sie wird zwar dokumentiert, aber nicht als das benannt, was sie ist: die Abwertung demokratischer Aushandlungsprozesse zugunsten autoritärer Entscheidungsmacht. Auch Kubickis Unterscheidung zwischen Abstimmungen mit der AfD und Zusammenarbeit ohne sie wird nicht daraufhin befragt, wie praktikabel sie im parlamentarischen Alltag tatsächlich sein kann.

Ein Satz wie dieser zeigt, wie Grupp Führung denkt: „Ich könnte nie in eine Demokratie gehen, sondern wenn dann in eine Diktatur, wenn ich etwas entscheide, dann stehe ich dafür gerade und dann kann ich aber nicht 1000 Kompromisse machen.“ Die Gleichsetzung von Kompromiss mit Schwäche ist ein Muster, das auch in Kubickis Argumentation anklingt – und das in der Sendung weitgehend unwidersprochen bleibt.

Sprecher:innen

  • Sandra Maischberger – Moderatorin, „maischberger“
  • Wolfgang Kubicki – Neuer FDP-Bundesvorsitzender
  • Wolfgang Grupp – Ehemaliger Inhaber und Geschäftsführer von Trigema
  • Marcel Reif – Sportjournalist
  • Iris Sayram – Journalistin, ARD-Hauptstadtstudio
  • Susanne Gaschke – Journalistin, „Neue Zürcher Zeitung“