Mike Brock, Ex-Tech-Manager und selbsternannter „Cassandra“, liefert in „Notes From The Circus“ eine scharfe philosophische Intervention gegen den Ökonomen Noah Smith. Anlass ist Smiths Text „Yes, Assimilation Is Good“, der „sanfte Assimilation“ als Lösung für multikulturelle Gesellschaften propagiert. Brock dekonstruiert diesen Ansatz als ideologisch aufgeladenen Frame, der einen angeblichen kulturellen „Mainstream“ naturalisiere, der in Wahrheit nicht existiere. Stattdessen plädiert Brock für einen „dünnen“ liberalen Rahmen nach John Rawls: politische Integration durch geteilte Rechte und Verfassungstreu, nicht aber kulturelle Homogenität. Dabei entlarvt Brock Smith als „Wasserträger“ eines mächtigen Tech-Capital-Netzwerks um Andreessen Horowitz (a16z) und deren „Chatham House“-Signal-Gruppen, die den rechten „Vibe Shift“ in Richtung Trump vorantreiben. Smiths „Assimilation“, so Brock, sei in Wahrheit die Assimilation in eine Marktlogik: Netflix, Fortnite und Spotify als vermeintliche Kultur. Brock kontrastiert dies mit der realen Pluralität der USA – Dallas gegen Marin County – um zu zeigen, dass Amerikanischsein nicht durch Konsum, sondern durch Koexistenz unter demokratischen Spielregeln definiert werde. „The building is on fire. Smith is defending gentle fire“, urteilt Brock angesichts der aktuellen politischen Lage, in der Assimilation als Rechtfertigung für Ausschluss und Deportation instrumentalisiert werde.

Einordnung

Brocks Text ist eine intellektuell ambitionierte, aber stark parteiische Kampfschrift. Seine Stärke liegt in der präzisen philosophischen Differenzierung zwischen politischem Liberalismus und kulturellem Essentialismus. Doch die Argumentation leidet unter einer verschwörungstheoretischen Anmutung: Smiths Netzwerk wird als kohärente Machtfiguration dargestellt, die Debatten manipuliert, was deren komplexe Motive vereinfacht. Alternative Perspektiven – etwa dass geteilte sprachliche oder kulturelle Normen sozialen Zusammenhalt erleichtern können – werden ausgeblendet. Der Text pathologisiert die Gegenseite (Profitgier, intellektuelle Feigheit) und verabsolutiert einen idealtypischen Rawlsianismus, der soziale Reibungsverluste pluraler Gesellschaften unterschlägt. Für Leser:innen, die eine philosophisch fundierte Bestätigung ihrer anti-trumpistischen Haltung suchen, ist der Newsletter lesenswert; wer eine ausgewogene Debatte über Integration erwartet, wird enttäuscht.