Anna Kreidler geht in dieser Episode der Frage nach, warum viele junge Menschen in der Schweiz heute kaum noch in Clubs und Ausgang gehen. Sie besucht einen Spieleabend und spricht mit jungen Erwachsenen, die bewusst Alternativen zum Nachtleben wählen. Die Reportage stellt persönliche Anekdoten und gefühlte Wahrnehmungen in den Mittelpunkt. Als selbstverständlich wird dabei vorausgesetzt, dass das Ausbleiben im Club einer aktiven Entscheidung für eine als wertvoller empfundene Freizeitgestaltung entspricht und nicht etwa auf strukturelle oder ökonomische Zwänge zurückzuführen sei.
Zentrale Punkte
- Sicherheit als Hauptargument Die jungen Frauen und auch Vito begründeten ihre Zurückhaltung gegenüber Clubs mit mangelnder Sicherheit. Linda berichte von einer ohnmächtig zusammengebrochenen Freundin, Celine von K.O.-Tropfen-Vorfällen im Bekanntenkreis. Auch Vito habe aggressives Verhalten beobachtet, das die Atmosphäre verderbe, selbst wenn es ihn nicht direkt betreffe.
- Tiefe Verbindungen statt oberflächlicher Kontakte Die Gespräche im Club seien zu oberflächlich, um echte Freundschaften zu schließen, so die Erfahrung von Vito. Celine und ihre Freundinnen betonten, dass kein Club den intensiven, direkten Austausch ersetzen könne. Die wertvolle Zeit mit Freund:innen finde deshalb beim Kochen, Spielen oder in der Natur statt.
- Nostalgie für eine unbeschwerte Vergangenheit Sowohl Celine als auch Vito äußerten die Vorstellung, in den 90ern gerne ausgegangen zu sein. Sie übernähmen damit eine Erzählung ihrer Eltern, wonach das Nachtleben früher unbeschwerter, sicherer und besser für spontane Begegnungen gewesen sei, ohne diese idealisierte Darstellung zu hinterfragen.
Einordnung
Die Stärke der Reportage liegt in ihrem einfühlsamen und alltagsnahen Zugang. Anna Kreidler schafft intime Gesprächssituationen – am Küchentisch und im Studio –, die den jungen Erwachsenen viel Raum für ihre persönlichen Geschichten und Gefühle geben. Ihre eigenen Jugenderfahrungen setzt sie nur sehr sparsam und verbindend ein, was den Fokus auf den Protagonist:innen lässt. Die Vielfalt der genannten Alternativen zum Ausgang zeichnet ein buntes Bild jugendlicher Lebenswelten.
Kritisch fällt auf, dass die nostalgische Rahmung der 90er-Jahre unkommentiert bleibt. Die Schilderungen der Eltern von einer Ära der Unbeschwertheit und des sorglosen Handtaschen-Verstecks werden als gegeben hingenommen und nicht als verklärte Erinnerungen eingeordnet. Zudem bleibt der Begriff der „Unsicherheit" schwammig. Zwar wird erwähnt, dass es keine eindeutige Datenlage zur Gewalt im Nachtleben gibt, dennoch wird das subjektive Unsicherheitsgefühl durch die Schilderungen von Einzelfällen als prägendes Narrativ gestärkt. Das entscheidende Zitat dafür liefert Linda, als sie über einen Vorfall mit ihrer Freundin spricht: „in dem Moment hast du dich dann plötzlich eigentlich nicht mehr so sicher gefühlt" – die gefühlte Ohnmacht wird hier zur Tatsachenbehauptung über den Raum.
Hörempfehlung: Für alle, die sich für den kulturellen Wandel unter jungen Menschen interessieren und persönliche Einblicke jenseits von Statistiken schätzen.
Sprecher:innen
- Anna Kreidler – Host der SRF-Reportage «Input»
- Celine, Sarah, Linda – Junge Frauen, die einen Spieleabend dem Club vorziehen
- Vito – 24-jähriger Kanzleimitarbeiter, der neue Kontakte lieber im Gym knüpft
- Nadia und Jürgen – Eltern von Celine und Sarah, die von ihrer Partyjugend erzählen