In dieser Episode analysiert Wolfgang M. Schmitt die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“. Er sehe den Film als ein Desaster, dem die Leichtigkeit des Originals völlig abhandengekommen sei. Die Handlung drehe sich um Andy, die als Journalistin zu Runway zurückkehre, um das Image des Magazins nach einem Sweatshop-Skandal aufzupolieren. Schmitt argumentiere, dass der Film kaum originelle Ideen biete und selbst aufgebaute Spannungsmomente nicht auflöse. Zugleich mache der Film unfreiwillig sichtbar, wie sehr die Figuren – selbst die so souverän wirkende Miranda – von den Entscheidungen einiger Milliardäre abhingen. Für Schmitt sei der Film gerade in dieser Darstellung von Abhängigkeiten realistischer, aber auch langweiliger als sein Vorgänger.
Zentrale Punkte
- Handwerkliche Schwächen und veraltete Dialoge
Der Film enthalte viele Szenen, die Spannung aufbauten, ohne sie zu nutzen – etwa Andys verbotener Gang nach oben oder ein Fleck auf einem geliehenen Kleid. Pointen wirkten aus zweiter Hand, und die Dialoge über Medienwandel und Clickbait-Journalismus seien so formuliert, als hätte man sie „genau vor 10 Jahren“ schon führen können. - Herrschaftstypen nach Max Weber
Anhand von Webers Unterscheidung analysiere Schmitt, wie Mirandas charismatische Herrschaft durch zwei andere Typen bedroht werde: die legale Herrschaft der HR-Abteilungen und Richtlinien sowie die traditionelle Herrschaft der Kapitaleigner. Der Film zeige, dass Mirandas Souveränität nur eine scheinbare sei – sie bleibe abhängig vom Einverständnis der Milliardäre. - Journalismus in kapitalistischer Abhängigkeit
Andy stehe vor dem Dilemma, für guten Journalismus mit einem Konzern paktieren zu müssen, dessen Machenschaften sie eigentlich aufdecken sollte. Der Film stelle die Frage nach Macht und Profit, liefere aber keine Lösung; das Happy End sei in Wahrheit ein „Abfinden mit den Verhältnissen“.
Einordnung
Die Stärke dieser Analyse liegt darin, dass sie mit Max Webers Herrschaftssoziologie eine kluge Linse auf den Film legt. Schmitt arbeitet präzise heraus, wie der Film Machtverhältnisse sichtbar macht, die im Vorgänger noch als souveränes Spiel Mirandas erschienen. Dass er die reale Vorbildfunktion von André Leon Talley und der Vogue-Verlegerfamilie einbezieht, verleiht der Argumentation zusätzliche Tiefe. Die ideologiekritische Methode, den Film gegen den Strich zu lesen, erweist sich als produktiv: Was als unterhaltsames Mode-Spektakel daherkommt, wird als Studie über Ohnmacht und Abhängigkeit entziffert.
Allerdings bleibt die Analyse in einigen Punkten selbst unhinterfragt. So wird guter Journalismus als Gegenpol zu kapitalistischen Interessen gesetzt, ohne zu fragen, für wen dieser Journalismus eigentlich gemacht wird und unter welchen Bedingungen er selbst Macht ausübt. Die Rolle der Milliardärin, die am Ende als Retterin von Stil und Journalismus auftritt, wird nicht kritisch auf ihre eigenen Interessen hin befragt. Auch das in der Analyse verwendete Konzept von Souveränität – wer hat sie, wer verliert sie? – setzt voraus, dass Souveränität überhaupt das erstrebenswerte Ziel sei, ohne die Möglichkeit kollektiver oder demokratischer Entscheidungsformen auch nur zu erwähnen.
Das Hören lohnt sich für alle, die verstehen wollen, wie eine ideologiekritische Filmanalyse Machtstrukturen auch in einem misslungenen Blockbuster aufspüren kann. Wer sich eine ausgewogene Rezension mit Stärken und Schwächen des Films erhofft, wird eher enttäuscht – Schmitts Frust über den Film dominiert den Ton.
Sprecher:innen
- Wolfgang M. Schmitt jun. – Podcaster und Filmanalytiker mit ideologiekritischem Ansatz