In dieser Episode des „404 Media“-Podcasts interviewt Joseph den Journalisten und Technologen Dhruv Mehrotra. Das Gespräch zeichnet Mehrotras unkonventionellen Weg vom Programmierer für Open-Source-Mobilfunknetze zum Datenjournalisten bei Publikationen wie Gizmodo, WIRED und Bloomberg nach. Dabei verhandeln die Sprecher die strukturelle Entwicklung und die Methodik des modernen Datenjournalismus. Die allgegenwärtige technologische Überwachung durch Tech-Monopole und staatliche Akteure wird dabei als unhinterfragte Realität und demokratische Bedrohung vorausgesetzt, die es durch journalistisches Reverse-Engineering zu dekonstruieren gelte. Gleichzeitig wird der digitale Journalismus stark durch ökonomische Rahmenbedingungen gerahmt: Der Publikationsdruck und die Jagd nach Klicks werden als beinahe naturgegebene Gesetze der Branche dargestellt, denen man sich nur durch einen Wechsel zu abobasierten Modellen entziehen könne. ### Zentrale Punkte * **Symbiose von Technik und Story** Mehrotra erkläre, dass technische Fähigkeiten in Redaktionen oft missverstanden würden. Die eigentliche Kunst bestehe darin, das handwerkliche Coden mit einem journalistischen Gespür für gesellschaftlich relevante Narrative zu verbinden. * **Evolution der Datenrecherche** Computergestützter Journalismus erfordere nicht zwangsläufig riesige Datensätze. Oft reiche das Dekompilieren einer einzelnen App oder der gezielte Einsatz von Funktechnik, um verborgene Überwachungsinfrastrukturen aufzudecken. * **KI als Effizienzwerkzeug** Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändere den redaktionellen Alltag. Mehrotra schildere, dass er Sprachmodelle gezielt als Coding-Assistenten nutze, um Arbeitsabläufe zu beschleunigen, ohne ihnen jedoch die Kontrolle zu überlassen. ### Einordnung Die Episode bietet fundierte Einblicke in die handwerkliche Maschinenraum-Perspektive des investigativen Journalismus und zeigt auf, wie Technologie als Werkzeug zur Machtkontrolle genutzt werden kann. Auffällig ist jedoch ein gewisser journalistischer Tech-Pragmatismus: Während staatliche und unternehmerische Datenakkumulation durchgängig als Dystopie gerahmt wird, bleibt die kritische Reflexion über den eigenen Einsatz von unethisch trainierten Werkzeugen wie KI-Sprachmodellen weitgehend aus – die Nutzung wird primär der Effizienzlogik untergeordnet. Da es sich um ein reines Fachgespräch unter Kollegen handelt, verbleibt der Diskurs in einem unkritischen Branchenkonsens. **Hörempfehlung**: Lohnenswert für Medienschaffende und technikinteressierte Hörer:innen, die verstehen wollen, wie digitale Infrastrukturen journalistisch dekonstruiert werden. ### Sprecher:innen * **Joseph** – Moderator:in und Journalist bei 404 Media * **Dhruv Mehrotra** – Datenjournalist und Technologe bei Bloomberg