Warum ist Keir Starmer so unbeliebt? Und kann ein möglicher Wahlsieg Andy Burnhams ihn endgültig aus dem Amt drängen? In dieser von Hörer:innen-Fragen getragenen Episode sortieren die Guardian-Journalist:innen den Zustand der Labour-Partei. Zentral ist die Diskussion darüber, wie die Persönlichkeit des Premierministers und die Enttäuschung über nicht eingelöste moralische Ansprüche seiner Partei die politische Krise befeuern. Die Frage einer möglichen Annäherung an die EU wird dabei vor allem als ein von wirtschaftlichen Zwängen und strikten roten Linien bei der Migration bestimmtes Problem verhandelt.

Zentrale Punkte

  • Die persönliche Ablehnung Starmers Das Ausmaß der Abneigung gegen Starmer sei nicht allein durch Fehler erklärbar. Seine Art zu sprechen, werde als "von oben herab" wahrgenommen, was beim britischen Wahlvolk besonders schlecht ankomme. Hinzu komme die Enttäuschung, dass er als "Mister Rules" an den selbst gesetzten, hohen ethischen Standards gescheitert sei.
  • Makerfield als richtungsweisender Test Die Nachwahl in Makerfield sei für Labour existenziell, weil ein Sieg des populären Kandidaten Andy Burnham zeigen würde, dass die Partei tiefe Wählerverluste rückgängig machen könne. Für Reform sei eine Niederlage dort weniger gravierend, weil sie gegen einen lokal außergewöhnlich starken Gegenkandidaten antrete.
  • EU-Beitritt als fragiles Verhandlungsziel Ein Wiederbeitritt zur EU sei unwahrscheinlich, da die EU kein Interesse an einem britischen Sonderstatus habe. Die britische Regierung strebe zwar engere Wirtschaftsbeziehungen an, lehne aber die dafür von der EU geforderte Personenfreizügigkeit ab, da das innenpolitisch, etwa in Makerfield, nicht durchsetzbar erscheine.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt in der Fähigkeit der Journalist:innen, abstrakte politische Stimmungen mit konkreten Daten und Anekdoten zu unterfüttern. Die Analyse, warum die Ablehnung Starmers über politische Fehler hinausgeht und tief in seiner persönlichen Außenwirkung verwurzelt ist, bietet eine nachvollziehbare Erklärung für die Krise der Partei. Auch der Hinweis, dass die katastrophalen Umfragewerte für Premierminister:innen einem allgemeinen Abwärtstrend folgen, ordnet die Lage hilfreich ein.

Die Diskussion verbleibt jedoch in einigen unhinterfragten politischen Rahmungen. Die Migrationsfrage wird durchgängig als taktisches Problem für Labour behandelt, das es zu "managen" gelte, um Wahlen zu gewinnen – die zugrundeliegende Logik, dass eine restriktive Migrationspolitik die einzig mögliche Antwort auf rechte Diskurserfolge sei, wird nicht hinterfragt. Auch die EU-Debatte wird fast ausschließlich als Frage wirtschaftlicher Vorteile und Verhandlungsmasse geführt, ohne die politischen oder kulturellen Dimensionen einer Annäherung zu streifen. Ein aussagekräftiger Moment ist, wie die persönliche Abneigung gegen Starmer erklärt wird: "they pick up a sense from him [...] that he talks down to people. [...] British voters really hate the most" – die Analyse bleibt hier auf der Ebene des persönlichen Stils stehen, ohne die tieferliegenden gesellschaftlichen Erwartungen an politische Autorität zu erkunden.

Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die die akute Führungskrise der Labour-Partei und das taktische Ringen um die Nachwahl in Makerfield in verständlicher Form nachvollziehen wollen.

Sprecher:innen

  • Pippa Crerar – Politische Redakteurin des Guardian
  • Kiran Stacey – Politischer Korrespondent des Guardian