Dieses Gespräch wurde vor einer Veranstaltung der Students for Uighurs Berlin an der TU Berlin aufgezeichnet, die Dokumentarfilme zur Lage der Uiguren zeigte. Haiyuer Kuerban, Aktivist beim World Uyghur Congress, spricht mit dem Moderator über den Druck, den die chinesische Botschaft auf die Universitätsleitung ausübte, um die Veranstaltung abzusagen. Im Zentrum steht der Konflikt um die Deutungshoheit: Kuerban verwendet den Begriff „Ostturkestan" für die Region, die China als „Xinjiang" („neue Grenze") bezeichne. Das Gespräch dreht sich nicht nur um die konkrete Veranstaltung, sondern um das übergeordnete Phänomen der „transnationalen Repression" – also die grenzüberschreitende Unterdrückung kritischer Stimmen durch die chinesische Regierung.
Zentrale Punkte
- Ostturkestan als politische Bezeichnung Kuerban beschreibe die Region als die historische Heimat der Uiguren, die vor über 70 Jahren von China militärisch erobert und in „Xinjiang" umbenannt worden sei. Der Begriff „Ostturkestan" sei für die uigurische Community ein Ausdruck von Identität und Widerstand gegen die chinesische Herrschaft.
- Einflussnahme als Angriff auf Demokratie Die chinesische Botschaft und der Verein chinesischer Akademiker:innen an der TU Berlin hätten versucht, die Veranstaltung zu unterbinden. Kuerban werte dies als „nackte Einflussnahme" eines fremden Staates in die akademische Freiheit Deutschlands. Er sehe darin ein Beispiel für „transnationale Repression".
Einordnung
Das Gespräch gibt einer Perspektive Raum, die in der breiten deutschen Öffentlichkeit oft nur vermittelt gehört wird – der eines uigurischen Exil-Aktivisten. Es zeichnet sich durch emotionale Unmittelbarkeit aus und verdeutlicht, wie sich geopolitische Konflikte konkret in deutsche Universitätsräume verlagern. Kuerban liefert mit dem Begriff der „transnationalen Repression" ein Werkzeug, um die Ereignisse einzuordnen, und stellt seinen Standpunkt als Teil eines globalen uigurischen Widerstands dar. Die Klarheit, mit der er die Einflussnahme als Angriff auf demokratische Grundwerte beschreibt, macht das Problem greifbar.
Allerdings ist das Gespräch rein aktivistisch geprägt und wird vom Moderator kaum hinterfragt. Die Darstellung, die „Gesellschaft der chinesischen Akademiker" könnte unter Druck handeln, wird als Möglichkeit genannt, aber nicht vertieft. Belege für pauschale Aussagen – etwa die Behauptung, Konfuzius-Institute dienten der Rekrutierung für staatliche Narrative – werden nicht angeführt, sondern nur pauschal auf „zahlreiche Studien" verwiesen. Es fehlen Stimmen, die den Konflikt um den Begriff „Ostturkestan" aus anderer Perspektive erklären könnten, was aber dem aktivistischen Format geschuldet ist. Wer das Gespräch hört, bekommt einen authentischen Einblick in die Argumentation einer Exil-Community – aber auch nur in diese eine. Gerade die Frage, was an den Hochschulen eigentlich diskutiert werden darf und wer das bestimmt, bleibt im Subtext des Gesprächs präsenter als in den Antworten selbst.
Sprecher:innen
- Haiyuer Kuerban – Aktivist des World Uyghur Congress, gebürtiger Uigure, exilpolitisch engagiert
- Unbenannter Moderator – Interviewer, dessen Rolle sich auf einordnende Nachfragen beschränkt