Die Trump-Regierung richtet einen mit 1,776 Milliarden Dollar aus Steuermitteln gefüllten Fonds ein, um angebliche Opfer von „Lawfare“ zu entschädigen. Paul Krugman brandmarkt dies als neuen Tiefpunkt der Selbstbedienung: Das von Trump kontrollierte Justizministerium zahle eine riesige Summe zur Beilegung einer Klage, die Trump selbst angestrengt hat. Profitieren dürften von einem handverlesenen Gremium vor allem er, seine Familie, Verbündete und die Aufständischen vom 6. Januar. Der Ökonom sieht darin eine neue Qualität der Korruption: Statt über verdeckte Kanäle wie Krypto-Deals fließe das Geld nun direkt und unverhohlen an den Präsidenten und seine Günstlinge. „Noch nie war ein Anführer so explizit korrupt“, so der Vorwurf – nicht einmal Putin agiere derart dreist.

Diese Schamlosigkeit sei ein Menetekel für die Entwicklung der USA unter dem Trumpismus. Zwar könnte eine „blaue Welle“ bei den Midterms den Demokraten trotz Wahlkreis-Manipulationen die Mehrheit bringen, doch strukturell bleibe das Feld weit nach rechts gekippt. Krugman deutet den Fonds als Bestechungsversprechen an die MAGA-Basis, durchzuhalten, und als Ausdruck eines überschrittenen Rubikons: Das Regime habe bereits so viele Verbrechen begangen – von illegaler Kriegsführung bis zu Misshandlungen in Abschiebehaft –, dass ein Machtverlust für die Beteiligten persönlichen Ruin bedeuten würde. „Die Trumpisten haben bereits den Ereignishorizont überschritten“, schreibt er und zeichnet das Bild eines schwarzen Lochs, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Deshalb bliebe ihnen nur die völlige Zerstörung des demokratischen Systems oder der eigene Untergang – ein Anreiz für immer mehr Kriminalität.

Einordnung

Krugman spricht als prominenter liberaler Ökonom und entschiedener Trump-Gegner. Seine Analyse stützt sich auf Medienberichte und Umfragen, blendet aber konservative Deutungen und Argumente der Administration vollständig aus. Die implizite Annahme, Korruption eskaliere zwangsläufig zu einem autoritären Kollaps, ist ebenso wirkmächtig wie vereinfachend. Das Framing der Trump-Bewegung als quasi-kriminelles Regime, das sich jenseits aller Rechtsstaatlichkeit bewegt, verleiht dem Text agitatorische Kraft, schwächt jedoch die analytische Distanz. Unausgesprochen bleibt, dass auch gut dokumentierte Korruptionsvorwürfe Wähler:innen nicht immer umstimmen oder stabile demokratische Gegenkräfte mobilisieren.

Für Leser:innen, die eine pointierte, wirtschaftsliberal geprägte Krisendiagnose der Trump-Ära schätzen, ist der Newsletter aufrüttelnd und lesenswert. Wer eine neutrale, multiperspektivische Einordnung sucht, sollte allerdings andere Quellen konsultieren.