In dieser Bonus-Episode führen die Moderatoren ihr erstes englischsprachiges Interview mit Brad Lips, dem CEO des Atlas Network. Das Gespräch ist Teil der Berichterstattung vom Liberty Forum in Berlin. Ausgangspunkt sind die in Deutschland vor allem durch Recherchen von Correctiv und Monitor verbreiteten Darstellungen, das Atlas Network sei ein neoliberales Schattennetzwerk mit rechten Verbindungen. Die Moderatoren wollen prüfen, ob diese Vorwürfe zutreffen. Das Gespräch bewegt sich dabei von Beginn an innerhalb der Denkvoraussetzungen des klassischen Liberalismus: Marktwirtschaft, begrenzte Staatsmacht und individuelle Freiheit werden als unhinterfragte Leitwerte gesetzt, während Lips die Organisation als bescheidenen Unterstützer lokaler Initiativen darstellt, die Wandel von unten ermöglichen.

Zentrale Punkte

  • Atlas als „harmlose" Dienstleisterin Lips beschreibe das Netzwerk als unauffällige Unterstützungsstruktur, die nur dabei helfe, lokale, unabhängig finanzierte Denkfabriken zu vernetzen und zu schulen. Die Steuerung erfolge strikt von unten nach oben; die Organisation sabotiere ihren eigenen Einfluss, wenn sie Vorgaben mache.
  • Liberalismus in der Defensive Der Niedergang klassisch-liberaler Ideen seit dem Mauerfall sei auch ein hausgemachtes Problem, weil man sich zu wenig mit den Verunsicherungen durch Migration und dem Aufstieg eines illiberalen Populismus auseinandergesetzt habe. Der eigenen Bewegung fehle eine emotional packende Erzählung, die über abstrakte Freiheitsversprechen hinausgehe.
  • Abgrenzung nach rechts und links Lips sehe illiberale Bedrohungen sowohl im linken als auch im rechten Spektrum. Gegenüber der neuen Rechten grenze er sich ab, indem er ihr vorwerfe, nicht mehr aus Skepsis, sondern aus Eifersucht auf die Staatsmacht zu schielen, um „unsere Feinde zu zerschlagen".

Einordnung

Die Episode bietet einen seltenen, direkten Einblick in die Selbstdarstellung des Atlas-Network-CEOs. Lips kann ausführlich seine Perspektive entfalten und anhand konkreter Beispiele – etwa dem Kampf indischer Straßenhändler:innen für ökonomische Freiheiten – das Selbstverständnis einer Bewegung veranschaulichen, die sich als Anwältin der Machtlosen sieht. Die Moderatoren schaffen einen Gesprächsrahmen, der Neugier signalisiert und Lips nicht ständig ins Wort fällt, was ein flüssiges, informatives Gespräch ermöglicht. Die zu Beginn genannten kritischen Berichte werden aufgegriffen, und die vorhandene Transparenz bezüglich der früheren Zusammenarbeit mit dem Atlas-Partner Prometheus ist anzuerkennen.

Allerdings bleibt die kritische Distanz weitgehend aus. Die Moderatoren konfrontieren Lips zwar mit den Schlagworten „neoliberales Schattennetzwerk“ und „rechte Verbindungen“, haken aber bei seinen ausweichenden oder beschwichtigenden Antworten kaum nach. Wenn Lips die Organisation als zu unbedeutend für echte Steuerung darstellt – das Gesamtbudget betrage nur 25 Millionen Dollar –, wird dies als Erklärung akzeptiert, ohne den Einfluss strategischer Vernetzung zu problematisieren. Die migrationspolitischen Aussagen von Lips, wonach Masseneinwanderung eine große Herausforderung mit „kulturellen Assimilations- und Sicherheitsdimensionen“ sei, werden von den Gastgebern nicht kritisch eingeordnet, sondern verpuffen als scheinbar sachliche Beschreibung. So bleibt das Gespräch, bei aller Freundlichkeit, eine Plattform für die unwidersprochene Selbstdarstellung eines kontroversen Akteurs.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die die Eigenwahrnehmung und Argumentationsstrategie des Atlas Network aus erster Hand kennenlernen wollen, lohnt sich die Folge – eine kritische Einordnung des Gehörten ist dabei aber unverzichtbar.

Sprecher:innen

  • Dominik Steffens – Co-Host von Based., führt das englischsprachige Interview
  • Benjamin Scherp – Co-Host von Based.
  • Brad Lips – CEO des Atlas Network, einer globalen Vernetzungsplattform marktliberaler Think Tanks