In dieser Folge des "IndieWire's Filmmaker Toolkit" Podcasts teilt der Emmy-prämierte Regisseur Jon Cassar seine 31 persönlichen Regeln für die Arbeit als TV-Regisseur:innen. Im Gespräch mit Jim Hemphill, Features-Writer bei IndieWire, führt Cassar durch seine Erfahrungen aus über 30 Jahren und mehr als 200 TV-Episoden – von "24" bis "Criminal Minds" und "FBI: Most Wanted".

1. Probleme frühzeitig erkennen und schnell arbeiten

Cassar betont, dass Regisseur:innen mindestens eine Stunde früher am Set erscheinen sollten, um mögliche Probleme wie Licht, Schatten oder Kamerawinkel zu erkennen und zu lösen. Er erklärt: "Ich komme früh, um die Autos zu positionieren, damit beim ersten Blocking alles passt. Ich verlasse das Set nie und beobachte alles – sogar den Boom-Guy und die Schatten."

2. Einsatz echter Waffen trotz Sicherheitsbedenken

Eine kontroverse Regel lautet: "Don’t be afraid to use real guns." Cassar rechtfertigt den Einsatz echter Waffen mit strikten Sicherheitsprotokollen und kritisiert die Branchenreaktion nach dem "Rust"-Unfall: "Wir hatten nie einen Vorfall bei ‚24‘ – wir hatten Profis. Das Problem bei ‚Rust‘ war eine unprofessionelle Crew."

3. Maximale Effizienz durch Planung und Flexibilität

Cassar erklärt, wie er durch clevere Planung Zeit spart: Er dreht Szenen mit Hauptdarsteller:innen zuerst, um sie früh nach Hause zu schicken. Auch vermeidet er unnötige Standortwechsel – bei "FBI: Most Wanted" habe er fünf verschiedene Orte auf einem einzigen Gelände simuliert: "Ich habe eine Schule, ein Krankenhaus und ein Altenheim aus einem Areal gemacht – mit Schildern, Requisiten und Kreativität."

4. Fokus auf emotionale Momente trotz Zeitdruck

Trotz des schnellen TV-Tempos lässt Cassar emotionalen Szenen Raum: "Let it breathe – wenn es um Emotionen geht, darf man nicht hetzen. Ich lasse die Kamera länger auf dem Gesicht, auch wenn die Folge später geschnitten werden muss."

5. Umgang mit Kindern und Wasser – strikte Regeln

Cassar mahnt, die Arbeitszeit von Kindern niemals zu überschreiten: "Ich hatte einmal nur eine halbe Stunde mit einem Neugeborenen – vier Kameras, fertig. Keine Sekunde länger." Auch warnt er vor Wasser-Szenen: "Regen, Duschen, Boote – alles kostet Zeit. Im TV vermeidet man das, wo es geht."

Einordnung

Diese Folge ist ein faszinierender Einblick in die Arbeitsweise eines erfahrenen TV-Regisseurs, der zwischen Effizienz und Kreativität balanciert. Cassar vermittelt seine Regeln mit einer Mischung aus Pragmatismus und Leidenschaft – allerdings ohne journalistische Distanz. Es ist ein Gespräch unter Kolleg:innen, nicht ein kritisches Interview. Besonders bemerkenswert ist seine Verteidigung des Einsatzes echter Waffen, die er trotz des tödlichen Unfalls auf dem "Rust"-Set als vertretbar darstellt – eine Position, die kontrovers bleibt. Die Perspektive ist eindeutig die einer weißen, männlichen Hollywood-Insider:innen, andere Stimmen fehlen. Dennoch bietet die Folge wertvolle Einblicke für angehende Regisseur:innen – mit dem nötigen kritischen Abstand.

Hörempfehlung: Wer Einblick in die Praxis von TV-Produktionen sucht und bereit ist, kontroverse Positionen kritisch zu hinterfragen, findet hier reichhaltiges Insider-Wissen.