In der Episode des Podcasts "Immer wieder Liebe" widmet sich Lisa Ortgies dem Thema Narzissmus in Paarbeziehungen. Im Gespräch mit dem Persönlichkeitspsychologen Mitja Back wird die vor allem in sozialen Medien verbreitete Darstellung von Narzissten als durchgehend bösartige Manipulatoren infrage gestellt. Stattdessen werde Narzissmus als eine Persönlichkeitseigenschaft verstanden, die wie ein Dimmschalter unterschiedlich stark ausgeprägt sei und sowohl negative als auch positive Konsequenzen habe. Als selbstverständlich werde vorausgesetzt, dass Beziehungskonflikte grundsätzlich durch klare Kommunikation und das Einfordern eigener Bedürfnisse lösbar seien. Die Diskussion bewege sich dabei im Spannungsfeld zwischen populärpsychologischer Schwarz-Weiß-Malerei und einer wissenschaftlich fundierten, graduellen Betrachtungsweise menschlicher Eigenschaften.

Zentrale Punkte

  • Narzissmus als Eigenschaft, nicht als Krankheit Back betone, dass Narzissmus keine Krankheit, sondern eine graduell ausgeprägte Eigenschaft sei. Sie entstehe zur Hälfte genetisch und zur Hälfte durch individuelle Umwelten, nicht jedoch durch den elterlichen Erziehungsstil.

  • Erfolgreich beim Dating Narzissten seien beim Dating erfolgreicher, weil sie selbstbewusster aufträten und Humor einsetzten. Es gebe kein Opfer-Beuteschema; vielmehr zögen sie die unterschiedlichsten Menschen durch ihre aufregende Ausstrahlung an.

  • Konflikte in Langzeitbeziehungen In Beziehungen sei das Geben und Nehmen oft unausgewogen, da Narzissten meinten, mehr zu verdienen. Sie reagierten empfindlich auf Kritik, täten sich mit Entschuldigungen schwer und gingen häufiger fremd.

  • Kritik an der Toxizitäts-Rhetorik Die pauschale Darstellung von Narzissten als toxisch schade mehr als sie nütze. Wer den Partner abstemple, lerne nichts; entscheidend sei stattdessen die Reflexion der eigenen Liebespräferenzen und Bedürfnisse.

Einordnung

Die Episode bietet eine erfrischend sachliche Perspektive auf ein oft hoch emotionalisiertes Thema. Besonders stark ist die Entkräftung des Online-Diskurses, der Narzissmus pauschal als bösartig darstelle. Back stellt dem die Idee der Lebensstrategie gegenüber: > "Narzissten lösen dieses Spannungsfeld auf eine sehr radikale Art und Weise, indem sie fast alles aufs persönliche Vorankommen setzen". Dies mache das Verhalten nachvollziehbar, verharmlose aber gleichzeitig die Folgen für die Partner:innen. Wenn kommuniziert werde, dass Konflikte mit Narzissten durch das Einfordern von Grenzen lösbar seien, bleibe die emotionale Erschöpfung derer unterbelichtet, die diese Grenzen täglich verteidigen müssen. Die Verantwortung für das Gelingen der Beziehung werde so tendenziell symmetrisch verteilt, obwohl die Prioritätensetzung des Narzissten die Dynamik asymmetrisch dominiere.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die einen sachlichen Blick auf Beziehungsdynamiken jenseits von Social-Media-Schwarz-Weiß-Malerei suchen und verstehen wollen, welche Anziehungskraft Narzissmus entfalten kann.

Sprecher:innen

  • Lisa Ortgies – Moderatorin des Podcasts "Immer wieder Liebe"
  • Mitja Back – Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Uni Münster