In dieser Episode des Podcasts der Bundesagentur für Sprunginnovationen spricht Moderator Thomas Ramge mit dem Produktionswissenschaftler und StreetScooter-Mitgründer Achim Kampker. Das etwa halbstündige Gespräch kreist um die Frage, warum deutsche Startups so häufig an der Skalierung scheitern. Als Ausgangspunkt dient Kampkers eigenes Projekt, der StreetScooter – ein Elektrolieferfahrzeug, das zunächst als Erfolgsgeschichte galt, dann aber nicht in die Großserie überführt werden konnte. Kampker erklärt das Scheitern vor allem mit zwei Faktoren: strategischen Fehlentscheidungen des Gründerteams und einer grundsätzlich gründungsfeindlichen Haltung in Deutschland. Dass wirtschaftlicher Erfolg hierzulande eher misstrauisch beäugt als gefeiert werde, zieht sich als zentrale These durch das Gespräch. Die Niederlande mit ihrer konstruktiven Unterstützerkultur dienen dabei als Gegenmodell.

Zentrale Punkte

  • Skalierung erfordert anderes Team Kampker räume ein, dass sein Team hervorragend für die frühe Entwicklungsphase geeignet gewesen sei, ihm aber die Erfahrung für Großserienproduktion und Vertrieb gefehlt habe. Dies sei ein grundsätzliches Problem, das er auch bei anderen Startups beobachte.
  • Deutsche Kultur blockiert Erfolg Der Gast beschreibe eine tief verwurzelte gesellschaftliche Haltung, die Ideen „kaputt rede“ und Gründer:innen unterstelle, sich nur selbst bereichern zu wollen. Das Bild der Krabben im Topf, die sich gegenseitig am Aufstieg hindern, diene ihm als Metapher für eine lähmende Neidkultur.

Einordnung

Das Gespräch lebt von Kampkers ungewöhnlich offener Selbstkritik, was erfrischend wirkt und den sonst oft formelhaften Fehleranalysen in Startup-Podcasts eine authentische Note verleiht. Seine Unterscheidung zwischen den Kompetenzen, die Gründen einerseits und Skalieren andererseits erfordern, ist ein auch jenseits der Automobilbranche relevanter analytischer Punkt. Moderator Ramge hakt an den richtigen Stellen nach und lässt Kampker seine Thesen entfalten.

Die Diagnose bleibt jedoch an einigen Stellen vage. Kampker verwebt konsequent die spezifischen Fehler seines Unternehmens mit einer allgemeinen deutschen „Kultur des Schlechtredens“, ohne diesen Zusammenhang empirisch zu untermauern. Strukturelle oder politökonomische Faktoren wie Kapitalmarktbedingungen, Regulierung oder Industriepolitik als potenzielle Skalierungshindernisse blendet die Diskussion fast vollständig aus. Auch die ambivalente Rolle von Kampkers Ankerkunden, der Deutschen Post, wird nicht vertieft. Die These vom „Neid auf Gründer:innen“ bleibt so eher eine atmosphärische Behauptung als eine belegte Analyse. Interessant ist zudem, dass Kampker mit Elon Musk eine Figur als ehemaliges Vorbild anführt, ohne dessen politische Entwicklung auch nur zu erwähnen – als sei diese für die Frage nach Gründerrollenbildern bedeutungslos. Der Satz „Die die die Neuerdings auch Milliarden Neuerdings auch Milliardäre, genau“ aus dem Transkript verdeutlicht die teils etwas sprunghafte Gesprächsführung in dieser Passage.

Sprecher:innen

  • Thomas Ramge – Moderator des Podcasts "Sprunginnovation"
  • Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker – Produktionswissenschaftler an der RWTH Aachen und Co-Gründer von StreetScooter