In dieser Live-Ausgabe von der re:publica 2026 in Berlin geht der Medienpodcast der Frage nach, ob es mehr journalistische Formate brauche, die auf Spaß und Unterhaltung setzen. Ausgangspunkt sei die Beobachtung, dass viele Menschen Nachrichten als Belastung empfänden und sich zunehmend abwendeten. Daher diskutieren die Gäste, wie Humor und Spiele als Mittel gegen diese Nachrichtenmüdigkeit eingesetzt werden könnten. Die Prämisse, dass eine lebendige Demokratie zwingend auf informierte Bürger:innen angewiesen sei und neue Wege der Wissensvermittlung daher eine Notwendigkeit darstellten, wird als selbstverständlich gesetzt. Das Gespräch kreist um die Frage, wie Unterhaltung Menschen erreichen könne, die über klassische Formate nicht mehr erreichbar seien.
Zentrale Punkte
- Spiele machen komplexe Politik erfahrbar Videospiele könnten komplizierte politische Systeme nicht nur erklären, sondern direkt erlebbar machen. Über einen spielerischen Perspektivwechsel – etwa in die Rolle eines EU-Entscheidungsträgers – werde ein intuitives Verständnis für die Schwierigkeit politischer Kompromisse geschaffen, das ein Textartikel so nicht leisten könne.
- Humor als kleinster gemeinsamer Nenner Humor könne als sozialer Kitt wirken und Menschen zusammenbringen, die sonst kaum miteinander sprächen. Gemeinsames Lachen schaffe ein Grundvertrauen, um anschließend über kontroverse Themen zu reden. Besonders relevante Formate seien jene, die mit Vorurteilen spielten und diese humorvoll aushebelten, statt nur die eigene Blase zu bestätigen.
- Interaktive Elemente steigern die Bindung Schon niederschwellige Spielelemente wie Umfragen, Quizze oder die live von Zuschauenden bestimmte Themensetzung einer Nachrichtensendung förderten das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Diese spielerische Interaktion vertiefe nicht nur die Erinnerung an das Gelernte, sondern binde auch Menschen an die Marke, wie das Beispiel der „New York Times“-Spiele zeige.
Einordnung
Die Episode bietet einen anregenden und durch wissenschaftliche Perspektiven untermauerten Einblick in innovative Medienformate. Die Stärke liegt in der Verknüpfung von neurowissenschaftlicher Theorie und redaktioneller Praxis: Während Maren Urner die Wirkung von Humor und Spiel psychologisch herleitet, liefert Sebastian Demuth sehr konkrete Beispiele aus der Entwicklungsarbeit des SWR, etwa zur Tagesschau auf Twitch oder einem geplanten EU-Simulationsspiel. Die kritische Nachfrage der Moderatorin, ob Comedy nicht oft in der eigenen Bubble bleibe, führt zu einer differenzierten Diskussion über die Notwendigkeit von „cleverer“ Unterhaltung, die mehr leistet als bloßes Blödeln.
Die Diskussion setzt jedoch stillschweigend voraus, dass die Krise der Demokratie vor allem ein Problem der Vermittlung und des individuellen Gefühls von Machtlosigkeit ist. Spaßformate werden als logische, ja notwendige Antwort auf eine vermeintlich zu negative und komplexe Berichterstattung präsentiert. Die Möglichkeit, dass diese Entwicklung auch eine Kapitulation vor der Aufmerksamkeitsökonomie darstellen und einer weiteren Vermischung von Journalismus und Marketing Vorschub leisten könnte, wird nicht in Frage gestellt. Auffällig ist zudem die Argumentation, dass die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ein Prüfstein für demokratische Gesinnung sei: „Menschen, die rechten Populismus [...] toll finden, können nicht über sich selber lachen. Das ist eigentlich ein ganz guter Test, um das zu überprüfen.“ Mit dieser Verallgemeinerung wird Humor nicht nur als Mittel, sondern als Indikator für politische Haltung gesetzt – eine stark normative Zuschreibung, die kritisch zu hinterfragen ist.
Hörempfehlung: Eine kurzweilige und gedanklich anregende Folge für alle, die verstehen wollen, wie öffentlich-rechtliche Sender und Journalist:innen mit Games und Comedy neue Wege der Publikumsansprache testen.
Sprecher:innen
- Pia Behme – Moderatorin des Medienpodcasts „Nach Redaktionsschluss“ (Deutschlandfunk)
- Maren Urner – Neurowissenschaftlerin, Mitgründerin von Perspective Daily und Teil des Formats Fun Facts
- Sebastian Demuth – Innovationsmanager beim SWR X Lab, entwickelt Games für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk