Der Newsletter "Das Altpapier" vom Mitteldeutschen Rundfunk, verfasst von dem langjährigen Medienjournalisten Christian Bartels, widmet sich der medialen Debatte um digitale Regulierung, Jugendschutz und Netzanonymität. Der Autor greift Vorstöße aus Frankreich und Australien auf, soziale Medien für Jugendliche zu verbieten. Er argumentiert jedoch, dass nationale Alleingänge in der EU aufgrund des Digital Services Act praktisch wirkungslos seien. Die Plattformen profitierten vom Herkunftslandprinzip, wodurch meist irisches Recht gelte. Ein zentraler Punkt ist die technische Umsetzung von Alterskontrollen. Bartels bezweifelt die Praxistauglichkeit der geplanten "EUDI-Wallet" und warnt vor massiven Datenschutzrisiken. Sollten sensible Daten gebündelt werden, könnten globale Konzerne diese missbrauchen, was laut Bartels "geradezu die umfassende Klarnamenpflicht" bedeute. Jene Klarnamenpflicht beleuchtet der Text im Anschluss als eigenes Themenfeld und zitiert dazu ausführlich den KNA-Mediendienst. Zwar solle durch eine Aufhebung der Anonymität digitale Gewalt eingedämmt werden, doch benötigten Whistleblower:innen und marginalisierte Gruppen zwingend Schutzräume. Zudem kritisiert Bartels die zerfaserte Debattenkultur am Beispiel von Deepfakes. Rechte Medien witterten sofort Zensur, während andere politische Lager unzulässig pauschalisierten. Der Autor schließt mit einem Blick in die USA, wo Tech-Konzerne derzeit verurteilt würden, weil Meta "wissentlich die Gesundheit von Kindern gefährdet haben soll". ## Einordnung Der Autor wählt eine medienkritische Perspektive, die sich entschieden gegen simple populistische Lösungen verwehrt. Er entlarvt die unbegründete Annahme der Politik, nationale Parlamente könnten globale Tech-Giganten im Alleingang effektiv regulieren. Auffällig ist das Framing der großen US-Konzerne als "Datenkraken", was eine klare Haltung gegen neoliberale Monopolstrukturen auf Kosten von Jugendlichen erkennen lässt. Gleichzeitig verteidigt der Text liberale Grundrechte wie die Anonymität im Netz aktiv gegen Überwachungsfantasien von konservativen Parteien und Behörden. Die bewusste Auslassung konkreter wirtschaftlicher Stimmen der Tech-Lobby zeigt den klaren Fokus auf demokratische Nutzer:innenrechte. Insgesamt bietet die Ausgabe einen pointierten Überblick über die komplexen Verflechtungen von europäischem Recht, Technologie und Gesellschaftspolitik. Der Newsletter ist für netzpolitisch interessierte Leser:innen absolut lesenswert, da er hitzige Debatten sachlich erdet und den Blick auf die entscheidenden juristischen Machtstrukturen lenkt.