Blood in the Machine: The first basic income for workers impacted by AI has begun sending out $1,000 monthly payments
Eine scharfe Analyse des ersten Grundeinkommens für KI-Geschädigte, die Tech-Oligarchen in die Pflicht nimmt und eine streng antikapitalistische Perspektive auf den Arbeitsmarkt bietet.
Blood in the Machine
9 min readDer Journalist Brian Merchant befasst sich in seinem Newsletter mit dem Start der "AI Dividend". Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt zum Grundeinkommen, das sich an Personen richtet, die durch Künstliche Intelligenz berufliche Einbußen erlitten haben. Das vom AI Commons Project initiierte Programm zahlt 25 bis 50 Betroffenen ein Jahr lang monatlich 1.000 US-Dollar. Merchant stützt sich auf Aussagen der Organisator:innen, vor allem der Entwicklerin Kaitlin Cort und des Direktors Nick Salazar.
Cort skizziert eine drastische Verschlechterung des Arbeitsmarktes für Berufseinsteiger:innen. Da Führungskräfte zunehmend auf KI-Tools setzen, fänden Absolvent:innen keine echten Entwicklerjobs mehr. Cort merkt an, die verbleibenden Positionen seien oft entwürdigend, da Anfänger:innen lediglich KI-generierten Code validieren müssten. Merchant untermauert damit seine These, dass KI-bedingte Einkommensverluste bei Autor:innen und Programmierer:innen längst harte Realität seien.
Ein zentrales Motiv ist die Forderung nach unternehmerischer Verantwortung. Die Initiator:innen der AI Dividend planen, bis 2026 drei Millionen US-Dollar auszuschütten, und drängen auf die Beteiligung großer KI-Konzerne. Laut Salazar werde sich die Ernsthaftigkeit der Tech-Branche daran zeigen, ob sie solche Fonds unterstützt. Merchant betont süffisant, dass Tech-Oligarchen wie Sam Altman stets ein Grundeinkommen als Lösung für KI-Ausfälle postuliert hätten. Nun müsse sich zeigen, ob auf diese Ankündigungen auch finanzielle Taten folgen.
## Einordnung
Der Text spiegelt Merchants technologiekritische und linke Grundhaltung wider. Die Perspektive ist konsequent arbeitnehmerzentriert; Argumente der Industrie, wie etwa Effizienzsteigerungen, fehlen gänzlich. Die implizite Vorannahme lautet, dass KI primär ein Instrument des Kapitals zur Disziplinierung von Arbeitskräften darstellt. Durch das geschickte Framing der Tech-CEOs als potenzielle Heuchler betreibt Merchant indirekt politische Kampagnenarbeit. Er nutzt den scharfen Kontrast zwischen den utopischen UBI-Versprechen der Silicon-Valley-Elite und der harten Realität erwerbsloser Tech-Arbeiter:innen, um maximalen moralischen Druck aufzubauen.
Gesellschaftlich ist der Beitrag relevant, da er die abstrakte KI-Debatte an einem greifbaren Gegenentwurf festmacht. Für Leser:innen, die eine fundierte, gewerkschaftsnahe Kritik an Big Tech suchen, ist der Text äußerst lesenswert. Wer eine neutrale Marktanalyse erwartet, sollte den Text meiden, da er als parteiisches Sprachrohr fungiert.