Der TV-Kanal des Compact-Magazins analysiert mit Chefredakteur Jürgen Elsässer und Moderator Paul Klemm die anhaltende Regierungskrise unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Anlass ist ein weiteres Krisentreffen der Koalition, während die AfD in Umfragen mit 28 % einen historischen Vorsprung von 6 Prozentpunkten vor der Union erzielt haben soll.

Merz‘ Unbeliebtheit sei beispiellos und erzeuge eine „Eiseskälte“

Friedrich Merz sei der unbeliebteste Kanzler der Geschichte und werde als empathielos wahrgenommen. Dies zeige sich daran, dass er beim DGB-Kongress 15 Minuten lang ausgebuht und ausgepfiffen worden sei. Jürgen Elsässer kommentierte diesen Auftritt mit den Worten: „[A]nstatt dass er den Leuten so ein bisschen Honig um den Mund schmiert, geht er voll in die Kontroverse, als ob seine niedrigen Umfragewerte ihm noch zu hoch wären.“

Die AfD stehe kurz vor einem politischen Kipppunkt

Die Diskussion wird von einer als revolutionär dargestellten Umfrage gerahmt, nach der die AfD 28 Prozent und die Union nur 22 Prozent erreiche. Elsässer prognostizierte einen „neuralgischen Punkt“, an dem sich kein CDU-Politiker mehr trauen werde, gegen Alice Weidel anzutreten, was die Nervosität innerhalb der Koalition erkläre.

Steuerreform-Pläne der Koalition seien ein Angriff auf Facharbeiter:innen und den Mittelstand

Elsässer kritisierte die hohe Steuerlast für Facharbeiter:innen mit einem Bruttomonatseinkommen von 6.000 Euro scharf und forderte eine massive Entlastung dieser Gruppe, während Spitzeneinkommen ab 10 Millionen Euro stärker besteuert werden sollten: „[D]er Facharbeiter und der Mittelständler [ist] viel zu hoch besteuert, die müssen runter gesteuert werden, auf die Hälfte, sage ich mal.“

Die „Einwanderung in die Sozialsysteme“ wird als zentrales Problem identifiziert

Abseits der Steuerdebatte wurde die Migration der entscheidende Faktor für die Misere des Sozialstaats gemacht. Elsässer forderte, Sozialleistungen erst nach fünfjähriger Beitragszahlung zu gewähren und verband dies mit der Behauptung, es gäbe viele, „die nicht arbeiten und von denen auch viele nicht arbeiten wollen.“

Innerhalb der Union drohe ein offener Machtkampf oder eine Spaltung

In der Analyse möglicher Nachfolger von Merz wurde Jens Spahn als potenzieller Profiteur eines Koalitionsbruchs dargestellt. Elsässer ließ offen, ob die AfD eine Koalition mit Spahn annehmen würde, betonte aber die Sprengkraft dieser Frage: „Das heißt, so weitermachen wie bisher bedeutet den Untergang der CDU. Aber sich öffnen zur AfD, das würde eine Spaltung der Union bedeuten.“

Die Sendung propagiert einen politischen Umsturz aktiv mit

Das Format ist direkt mit einem kommerziellen Angebot verknüpft: Ein „Schmuckrahmen zum Wendejahr 2026“ mit Silbermedaillen von Alice Weidel, Björn Höcke und Tino Chrupalla. Paul Klemm warb mit den Worten, die AfD könne sich „aus diesen rauchenden Trümmern stärker als je zuvor heben und wir bei Compact sind gerüstet für die politische Wende.“

Einordnung

Die Sendung präsentiert sich als journalistischer „Brennpunkt“, operiert jedoch durchgehend als agitatorisches Format, das objektive Berichterstattung mit offen parteiischer Meinungsmache zugunsten der AfD ersetzt. Die Argumentationsstruktur basiert auf einem fundamentalen Widerspruch: Einerseits werden die Regierungsparteien und besonders die Union als völlig handlungsunfähig und zerstritten dargestellt, andererseits wird der Union gleichzeitig die Möglichkeit einer Koalition mit der AfD unterstellt. Diese Doppelstrategie aus Delegitimierung und strategischem Koalitionsangebot dient dazu, die Brandmauer als überholt zu inszenieren. Die reale politische Isolation der AfD wird ausgeblendet.

Stilistisch nutzen die beiden Sprecher eine Mischung aus inszenierter Empörung und süffisanter Häme, etwa durch die ständige Wiederholung von Merz‘ vermeintlicher Kälte oder das Verlachen der Koalition als „Farce“. Professionelle Insignien wie Grafiken, eingeblendete Nachrichtenclips und das Studio-Setting dienen als Autoritätsbehauptung, während Framings wie „das deutsche Volk“ oder die symbolische Reichstagssilbermedaille eine nationalistische, auf Umsturz zielende Rhetorik bedienen. Die Sendung reproduziert rechte Narrative von der „Massenmigration“ und dem angeblichen Missbrauch der Sozialsysteme ohne empirische Belege und marginalisiert konsequent die Perspektiven von Migrant:innen und Erwerbslosen. Es handelt sich nicht um eine kritische Analyse, sondern um ein Vehikel zur Normalisierung der AfD als einzig legitime Alternative.

Sehwarnung: Unter dem Deckmantel einer politischen Analyse wird hier kompromisslose Stimmungsmache für eine rechte Partei betrieben, die mit kommerziellen Verkaufsinteressen verknüpft ist. Wer sich eine facettenreiche, quellenbasierte Einordnung der Regierungskrise erhofft, wird gezielt desinformiert.