Der FAZ-Podcast für Deutschland vom 22. April 2026 widmet sich der militärischen und geopolitischen Lage der Ukraine nach dem EU-Beschluss über einen 90-Milliarden-Euro-Kredit. Moderator Felix Hoffmann spricht mit Militärexperte Nico Lange. Die Episode wird von einer klaren Grundannahme getragen: Dass die Ukraine den Krieg gewinnen kann und soll – und dass westliche Zögerlichkeit das größte Hindernis darstellt. Russland wird durchgehend als zu schlagender Gegner behandelt, Verhandlungslösungen kommen nicht vor.
Zentrale Punkte
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EU-Kredit als Überlebensfrage Der 90-Milliarden-Kredit sei für die Ukraine von existenzieller Bedeutung, da das finanzielle Problem zuletzt größer gewesen sei als das militärische.
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Ukraine schwächt Russlands Öleinnahmen selbst Die Ukraine habe rund 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten zerstört und tue damit das, was die EU mit Sanktionen bisher unzureichend geleistet habe.
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Drohnentechnologie als strategischer Vorteil Die Ukraine nutze unbemannte Systeme zunehmend auch offensiv und exportiere diese Technologie; bis zu 90 Prozent der russischen Verluste entstünden mittlerweile durch ukrainische Drohnen.
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Ukraine als geopolitischer Akteur, nicht Bittsteller Durch Rüstungspartnerschaften mit Golfstaaten und Deutschland zeige die Ukraine, wie pragmatische Interessenpolitik funktioniere – Deutschland solle sich daran ein Beispiel nehmen.
Einordnung
Die Episode bietet eine kompetente und detailreiche Analyse der ukrainischen Militärstrategie. Lange erläutert technische Zusammenhänge – etwa zur Drohnenlogistik oder zum Starlink-Whitelisting – auf verständliche Weise und differenziert dabei, wo Selenskyjs Aussagen auch Eigenwerbung sind. Das ist journalistisch redlich.
Allerdings ist die Gesprächsführung wenig konfrontativ: Langes Einschätzungen werden durchgehend bekräftigt, Gegenargumente kaum eingefordert. Die Annahme, dass militärischer Sieg die einzig relevante Zielperspektive ist, wird nie hinterfragt. Auch Langes pauschale Kritik an Deutschen, die „Kremlin-Sprache" in die Debatte einbrächten, bleibt unkommentiert und unscharf. Die neue Bundeswehr-Strategie wird nur am Rand gestreift. Wer eine kritischere Auseinandersetzung mit westlicher Ukraine-Politik oder möglichen Verhandlungsszenarien sucht, findet sie hier nicht.
Hörempfehlung: Lohnt sich für alle, die den militärischen und technologischen Stand des Krieges kompakt und sachkundig aufbereitet haben möchten.
Sprecher:innen
- Felix Hoffmann – Moderator, FAZ-Podcast für Deutschland
- Nico Lange – Sicherheits- und Militärexperte