Der Newsletter von Paul (Public Notice) feiert einen historischen Wendepunkt: Im Mai 2025 wurde in den USA erstmals mehr Strom aus Sonnenenergie erzeugt als aus Kohle. Während Erdgas die wichtigste Stromquelle bleibt, markiert diese Verschiebung einen symbolträchtigen Moment der Energiewende – und einen Frontalangriff der Trump-Administration, die seit Amtsantritt einen regelrechten Krieg gegen Erneuerbare führt.
Trumps Politik wird als Mischung aus Subventionsstreichungen, Investitionsblockaden und direkter Kohleförderung geschildert. Die Aufhebung der Kaufanreize für Elektroautos habe die heimische E-Auto-Industrie fast zerstört; Konzerne wie GM, Ford und Honda ziehen Investitionen zurück, während Importe den Markt übernehmen. Bei Windkraft verhindere die Regierung systematisch Genehmigungen, besonders auf See, und zahle sogar Unternehmen für die Aufgabe geplanter Projekte. Ein Sprecher des Innenministeriums behaupte, erneuerbare Energien seien ohne Batterien unzuverlässig – obwohl diese längst im Einsatz sind. Gleichzeitig pumpt Trump Steuergelder in die Kohle: Per »Defense Production Act« fließen 700 Millionen Dollar an Kraftwerke, und veraltete Meiler werden gegen den Willen der Versorger am Netz gehalten. Laut einer Analyse des Thinktanks Grist kam 2024 auf jeden investierten Dollar in neue saubere Projekte drei Dollar an gleichzeitiger Streichung, Schließung oder Verkleinerung – ein Verlust von 35 Milliarden Dollar.
Doch der Autor argumentiert, dass die globale grüne Revolution nicht mehr aufzuhalten sei. Solarstrom ist heute die günstigste Energieform; Pakistan erzeugt bereits ein Drittel seines Stroms mit Solardächern, Indien baut riesige Solarparks, und China dominiert mit über 80 Prozent der weltweiten Produktion von Solarmodulen und 625 Milliarden Dollar Investitionen 2024. Der weltweite E-Auto-Absatz wuchs 2025 um 20 Prozent, in China sind bereits 53 Prozent aller Neuwagen elektrisch. In den USA entstehen trotz Trumps Blockade neue Solarfabriken, und private Unternehmen bauen E-Ladestationen aus reiner Profitabilität – inzwischen gibt es über 253.000 öffentliche Ladepunkte. Die Botschaft ist klar: Die fossile Politik Trumps kann den Übergang verzögern und verteuern, aber nicht verhindern.
Einordnung
Der Text liefert eine faktenreiche, aber klar aktivistische Perspektive aus dem progressiven Spektrum. Stärken sind die Einbettung aktueller US-Entwicklungen in den globalen Kontext und die prägnante Darstellung von Widersprüchen in Trumps Rhetorik. Ausgeblendet bleiben jedoch die Kehrseiten des grünen Booms: die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten, ökologische und soziale Kosten des Rohstoffabbaus oder die Frage, wie stark subventionierte E-Mobilität und Solarparks tatsächlich sozial gerecht sind. Zudem wird die Deindustrialisierung von Auto-Standorten vereinfacht als Trumps Schuld dargestellt, ohne langfristige Strukturprobleme zu benennen.
Die emotionale Sprache (»holy war«, »deranged loathing«) verstärkt ein Freund-Feind-Narrativ, das eher zur Mobilisierung der eigenen Anhänger:innen taugt als zur sachlichen Abwägung. Wer sich für den Stand der US-Energiewende interessiert und eine progressive Einordnung sucht, wird hier gut bedient; für eine ausgewogene Analyse braucht es ergänzende Quellen. Eine klare Lesewarnung ist nicht nötig, aber das Framing sollte mitgelesen werden.