Paul Krugman nimmt in seinem aktuellen Newsletter eine bittere Bestandsaufnahme der bisherigen Trump-Regierung vor. Er stellt eine lange Liste von Warnungen der "so-called experts" – jener Fachleute, die Trump und sein Lager stets verhöhnen – den verheerenden realen Ergebnissen gegenüber: steigende Inflation, sinkende Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe, eine geschlossene Straße von Hormus und ein Präsident, der in Peking als Bittsteller um Hilfe aus der selbstverschuldeten Iran-Krise betteln müsse. Sein vernichtendes Fazit nach dieser Auflistung ist kurz und schmerzhaft: "The so-called experts were completely right."

Krugman räumt zwar fairerweise ein, dass Expert:innen nicht unfehlbar sind. Er gesteht eigene Fehleinschätzungen zur Inflation 2021 ein und verweist auf militärische Analyst:innen, die Russlands Stärke massiv überschätzten. Doch er zieht eine klare Trennlinie: Politiker:innen, die aus Wunschdenken, persönlichen Obsessionen und Korruption glauben, es besser zu wissen als die Fachwelt, scheitern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Das Kernargument des Newsletters ist jedoch, dass diese Inkompetenz kein Trump-spezifischer Unfall ist. Die gefährliche Mixtur aus Ignoranz, Vetternwirtschaft und der Ersetzung von Kompetenz durch blinde Loyalität folgt einer Logik, die Hannah Arendt als zentrales Merkmal totalitärer Bewegungen beschrieb. Krugman zitiert sie mit der Passage, dass solche Systeme fähige Köpfe durch "crackpots and fools" ersetzen, deren mangelnde Intelligenz die beste Garantie für ihre Loyalität sei.

Die Ursachen für diese rechte Expert:innenfeindlichkeit verortet Krugman tiefenstrukturell: Zum einen im jahrzehntelangen, von der fossilen Brennstoffindustrie finanzierten Kampf gegen die Klimawissenschaft, der in eine generelle Wissenschaftsfeindlichkeit umschlug. Zum anderen in einem inhärenten Misstrauen antidemokratischer Bewegungen gegenüber unabhängig denkenden Menschen. Der Newsletter endet mit einer düsteren Prognose: Ein politisches Umdenken ist nicht zu erwarten, die Prügel – sprich: die Konsequenzen aus den politischen Fehlern – werden weitergehen, bis sich die Stimmung hebt.

Einordnung

Krugman verwebt hier geschickt tagespolitische Analyse mit politiktheoretischer Tiefe. Sein wiederholtes, sarkastisches "so-called experts" ist ein wirksames rhetorisches Mittel, das den anti-intellektuellen Duktus der Trump-Bewegung entlarvt und gleichzeitig die Fehlerkette der Regierung unerbittlich dokumentiert. Die Stärke des Textes liegt in der Verknüpfung der konkreten politischen Katastrophen mit Arendts Totalitarismustheorie, die das scheinbar Chaotische als strukturelles Merkmal autoritärer Herrschaft erklärbar macht.

Allerdings operiert der Text mit einer starken Zweiteilung zwischen einer vernünftigen, wenn auch nicht perfekten, Expert:innenwelt und einer irrationalen, korrupten politischen Rechten. Differenziertere Stimmen zu den Grenzen und dem gelegentlichen Versagen etablierter Expertise fehlen. Die politische Agenda ist klar: Eine leidenschaftliche Verteidigung von Wissenschaft und rationaler Politik gegen deren populistische Zerstörung. Für Leser:innen, die eine pointierte, gut begründete und historisch fundierte Abrechnung mit der aktuellen US-Politik suchen, ist dieser Newsletter dennoch unbedingt lesenswert.