Ein neuer Angriff Russlands – diesmal auf ein NATO-Land – sei in spätestens zwei Jahren möglich. Mit dieser Warnung untermauert CDU-Politiker Roderich Kiesewetter seine sicherheitspolitischen Forderungen bei Based. Das Gespräch kreist um die Notwendigkeit einer wehrhaften Gesellschaft, die Aufrüstung Europas und das schwierige Verhältnis zu den USA unter Trump. Kiesewetter, der mit seiner Vorhersage des Ukraine-Kriegs 2022 Recht behielt, präsentiert sich als Warner, der Indizien erkennt, wo andere beschwichtigen. Dabei wird Wehrhaftigkeit nicht nur militärisch, sondern als gesamtgesellschaftliches Projekt verstanden, das einen verpflichtenden Dienst für alle einschließt. Über dem Gespräch liegt die Annahme, dass Deutschland sich in einem Systemkonflikt befindet, in dem Russland seine neuen Waffen und hybriden Kriegsmethoden bereits erprobt – und die Bundesregierung die Lage verharmlose.
Zentrale Punkte
- Russland testet für den NATO-Krieg Russland setze in der Ukraine vor allem veraltetes Gerät und Problembürger ein, während modernisierte Raketen und neu aufgestellte Verbände für einen möglichen Angriff auf NATO-Staaten geschont würden. Sabotageakte, Brände und tausende Drohnenüberflüge seien Teil einer kognitiven und hybriden Kriegsführung, mit der Russland Europas Verwundbarkeit bereits austeste.
- Die täuschende Wende bei den Milliarden-Schulden Kiesewetter habe bereits 2024 Investitionen in Höhe von 500 Milliarden Euro gefordert, sei aber als Einzelstimme abgetan worden. Dass die Union nach der Wahl mit alten Mehrheiten 1,5 Billionen Euro Schulden aufnahm, nachdem sie im Wahlkampf das Gegenteil versprochen hatte, habe das Vertrauen der Bevölkerung beschädigt und die AfD gestärkt.
- Wehrpflicht vor allem für den Zivildienst Eine allgemeine Dienstpflicht sei dringend nötig, aber die Mehrheit der jungen Menschen werde im Zivil- und Katastrophenschutz gebraucht, etwa für Integration und Pflege. Nur ein Viertel müsse zur Bundeswehr, wo Kameradschaft über soziale Grenzen hinweg entstehe. Es sei ein Fehler, Frauen von dieser Pflicht auszuklammern.
- Europa muss den USA Berechenbarkeit zurückgeben Die USA unter Trump seien unberechenbar geworden und rückten von der regelbasierten Ordnung ab. Europa müsse die Rüstungslast selbst tragen und durch standardisierte, europäisch ausgerichtete Rüstungsindustrie zum „Hort der Verlässlichkeit“ werden – nur so ließen sich die USA als Partner auf Augenhöhe zurückgewinnen.
Einordnung
Das Gespräch liefert eine dichte Darstellung einer sicherheitspolitischen Weltsicht, die die russische Bedrohung als existentiell und bereits aktiv begreift. Kiesewetter belegt seine Warnungen mit konkreten Beobachtungen – von mobilen Krematorien als Indiz für Kriegsverbrechen bis zu den technischen Details nicht verzurrter Kampfpanzer. Diese argumentative Schärfe unterscheidet das Gespräch von allgemeinen Alarmismen und macht es für ein Publikum interessant, das die Logik sicherheitspolitischer Hardliner verstehen will. Die Verschränkung von äußerer und innerer Sicherheit mit sozialen Fragen wie der Integration und Pflege zeigt einen für konservative Debatten ungewöhnlich ganzheitlichen Ansatz des Gastes.
Allerdings setzt die Diskussion die Notwendigkeit massiver Aufrüstung als alternativlos voraus. Zivile oder diplomatische Konfliktlösungsstrategien kommen ebenso wenig vor wie die Perspektive der osteuropäischen Staaten, über deren Sicherheit hier verhandelt wird. Wirtschaftliche Interessen – etwa der Rüstungsindustrie – werden nur in einer „dienenden Rolle“ erwähnt, nicht aber als Treiber der Debatte hinterfragt. Die im Wahlkampf erprobte Täuschung der Wähler:innen durch Kiesewetters eigene Partei wird zwar kritisiert, aber eher als kommunikatives Missgeschick verhandelt, nicht als demokratisches Problem. „Wer hat denn profitiert jetzt? Die AfD ist in Umfragen stärker als die Union, deutlich stärker“, sagt Kiesewetter und macht klar, dass das eigentliche Versäumnis im mangelnden Zutrauen gegenüber der Bevölkerung lag – nicht im Vertrauensbruch selbst. So wird eine Episode, die Wehrhaftigkeit demokratisch begründen will, zugleich zum Dokument einer tiefen demokratischen Schwäche im Umgang mit Wahrheit und Wählerwillen.
Hörempfehlung: Eine lohnende Folge für alle, die die Argumentationsweise und Indizienketten eines der prominentesten außenpolitischen Hardliner in der CDU aus erster Hand verstehen wollen.
Sprecher:innen
- Benjamin Scherp – Co-Host von Based., junger Journalist aus Berlin
- Dominik Steffens – Co-Host von Based., junger Journalist aus Berlin
- Roderich Kiesewetter – CDU-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Oberst der Bundeswehr