Der F.A.Z.-Podcast für Deutschland beschäftigt sich mit den innenpolitischen Folgen der Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow. Moderatorin Katrin Jakob spricht mit Robert Putzbach, der aus Kiew berichtet. Im Zentrum steht die Videoansprache Fedorows, in der er Neuwahlen fordert und von einer „systemischen Regierungskrise“ spricht. Der Gast ordnet ein, dass Fedorow damit ein Tabu breche: Wahlforderungen seien bisher vor allem aus dem Ausland gekommen, aus der Ukraine selbst jedoch stets mit Verweis auf das Kriegsrecht zurückgewiesen worden. Zugleich geht es um die Bestätigung des Nachfolgers Jevgeni Chamara und die aktuelle militärische Lage.

Zentrale Punkte

  • Parlament bestätigt neuen Verteidigungsminister Das Parlament habe Chamara deutlich bestätigt. Die Proteste nach Fedorows Entlassung seien durch die zusätzliche Ablösung des Armeechefs Sirski abgelenkt worden. Chamara, ein General des Inlandsgeheimdienstes, gelte als enger Selenskyj-Vertrauter und harter Hund.
  • Fedorow bricht Tabu mit Wahlforderung Fedorow habe Neuwahlen gefordert und eine systemische Regierungskrise beklagt. Wahlforderungen seien bisher vor allem aus dem Ausland gekommen und aus der Ukraine mit Verweis auf das Kriegsrecht zurückgewiesen worden. Fedorows Prominenz mache die Forderung besonders brisant.
  • Militärische Lage verschärft sich Die Ukraine habe zunehmend Probleme, ballistische Raketen abzuwehren. Russlands Drohnen hätten jetzt Strahlantrieb und seien schneller; zivile Schiffe und Häfen würden verstärkt angegriffen. Die Ukraine antworte mit Angriffen auf Russlands Wirtschaft, deren Wirkung noch offen sei.

Einordnung

Die Episode liefert eine dichte, gut informierte Einordnung der innenpolitischen Dynamik. Robert Putzbach benennt selbst: „Die Politik in der Ukraine ist immer sehr stark ja, sowohl polarisiert als auch personalisiert.“ Seine Beschreibung von Selenskyjs taktischer Reaktion auf die Proteste und die Berichte aus Kiew zu Luftabwehrproblemen und Angriffen auf zivile Schiffe machen die Lage konkret.

Kritisch bleibt jedoch, dass die Diskussion selbst stark dieser personalisierten Logik folgt. Strukturelle demokratische Fragen – etwa wie politische Teilhabe unter Kriegsrecht gesichert werden kann – werden nur am Rande berührt. Fedorows Wahlforderung erscheint vor allem als Tabubruch einer beliebten Figur, nicht als demokratiepolitische Herausforderung. Die Perspektive der Zivilgesellschaft oder von Oppositionsstimmen fehlt.

Hörempfehlung: Für alle, die sich für die aktuelle politische und militärische Lage in der Ukraine interessieren, bietet die Episode fundierte Hintergründe aus Kiew.

Sprecher:innen

  • Katrin Jakob – Moderatorin, F.A.Z. Podcast für Deutschland
  • Robert Putzbach – F.A.Z.-Redakteur, berichtet aus der Ukraine