Der Beitrag des Antideutschlandfunks bespricht die Doppelausstellung "Persistence of Vision" im Berliner Gropius Bau, die den verstorbenen US-Fotografen Peter Hujar mit der zeitgenössischen Künstlerin Liz Deschenes zusammenhängt. Der Fokus liegt auf Hujars Arbeit als Chronist eines queeren, avantgardistischen New Yorks voller Clubs, Hinterhöfe und prägender Persönlichkeiten, die er als Beweis direkten fotografischen Könnens dargestellt habe. Die Perspektive der Besprechung ist die einer subjektiven Sinnsuche: Gezeigt werde immer auch man selbst, wenn man auf diese Porträts blicke, während eine kritische Distanz zur kuratorischen Einbettung der Werke mitschwingt.
Zentrale Punkte
- Direktheit als fotografische Essenz Hujar habe unkomplizierte Fotos von komplizierten Motiven gemacht. Diese Maxime wird an seinen Werken durchgespielt: Models hätten vorm Auslösen alles loslassen müssen, wodurch ein unmittelbarer Zugang entstehe, der selbst eine Wolldecke als menschlich erscheinen lasse.
- Kuratorische Berlin-Analogie wirkt konstruiert Der intendierte Bezug zwischen Hujars marodem New York, den Spuren des Zweiten Weltkriegs am Gropius Bau und Deschenes' Glasgerüsten wird als affektive, weit hergeholte Projektion kritisiert. Die Themen Architektur und Verfall seien zu weitläufig für diese Verknüpfung.
Einordnung
Der Beitrag liefert eine atmosphärisch dichte Beschreibung der ausgestellten Arbeiten und macht die besondere Qualität von Hujars Porträtkunst sinnlich erfahrbar – etwa wenn beschrieben wird, wie der Hudson River im Stillleben als Körper wirke oder eine simple Wolldecke perfekt getroffen scheine. Die Sprecherstimme übersetzt die Ausstellungserfahrung in eine assoziative, teils hymnische Reflexion, die über eine bloße Rezension hinausgeht und den Hörer:innen eigene Projektionen anbietet. Eine klare journalistische Einordnung – etwa zu Hujars Bedeutung innerhalb der Fotogeschichte oder zu Deschenes‘ skulpturalem Ansatz – fehlt zugunsten einer persönlichen, fast feuilletonistischen Schilderung.
Die Diskussion der kuratorischen Konzeption ist inkonsistent: Zwar wird die verordnete Analogie zwischen deutschem Kriegsleid und queerer New Yorker Unterdrückungsgeschichte zu Recht als zu vage kritisiert, zugleich aber die offensichtlich ortsbezogene Entstehung von Deschenes‘ Arbeiten als unerwähntes Thema benannt, obwohl sie im selben Atemzug beschrieben wird. Die Quelle der Kuratorinnen-Kritik – die Siegessäule – wird zitiert, ohne die eigene Haltung klar von deren Argumentation abzugrenzen. Ein Zitat wie „Die Inspiration durch das Formale eines Baus und seiner Umgebung wäre da ein unaufgeregterer Bezugsrahmen“ zeigt eine Suche nach analytischer Distanz, die der restliche, stark involvierte Text nicht durchgängig einlöst.
Hörempfehlung: Für alle, die eine sinnliche Einstimmung auf die Ausstellung suchen, mit feinem Gespür für die Wirkmacht analoger Porträtfotografie und einer Prise Museums-Skepsis.
Sprecher:innen
- Paul Krüger – Sprecher des Features, produziert von monoblau.