Der DFB bringt mit DFB.TV einen eigenen Bezahlsender an den Start – ein Joint Venture mit Sportainment. Im Gespräch mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow erläutern die Verantwortlichen Kay Dammholz (DFB) und Gisbert Wundram (Sportainment) die Strategie: Man setze bewusst nicht auf große Live-Rechte, sondern kuratiere ein breites Angebot aus Ligen und Themen, die bisher kaum mediale Aufmerksamkeit bekämen.

Zentrale Punkte

  • Nischen als Geschäftsmodell DFB.TV wolle gezielt die Rechte bündeln, die bislang keinen Käufer fänden – etwa die zweite Frauen-Bundesliga, Futsal oder U-Nationalteams. Erst in der Summe dieser Nischen, angereichert mit Hintergrundgeschichten und Archivmaterial, entstehe ein attraktives Gesamtpaket für zahlende Fans.
  • Die Vielfalt ist der Leuchtturm Statt auf ein einzelnes Top-Recht zu setzen, solle die schiere Themenbreite den Sender tragen. Man strebe eine möglichst große Verbreitung auf bestehenden Pay-TV-Plattformen an, um dort präsent zu sein, wo sich Fußballfans ohnehin bereits aufhalten.

Einordnung

Das Gespräch zeigt, wie ein Sportverband versucht, abseits des Bieterwettstreits um Premium-Rechte einen eigenen medialen Raum zu besetzen. Die Idee, unbeachtete Wettbewerbe und Verbandsthemen zu bündeln, wird von den Machern enthusiastisch und in sich schlüssig dargestellt. Dammholz und Wundram erklären nachvollziehbar die wirtschaftliche Logik hinter der Paywall und die Vorteile der Multiplattform-Strategie.

Das Gesprächsformat bleibt freilich stark werblich. Kritische Nachfragen – etwa zu möglichen Zielkonflikten zwischen Verbandsauftrag und kommerziellem Bezahlangebot, zur tatsächlichen Zahlungsbereitschaft für Nischensport oder zu den Grenzen der vielbeschworenen „Nähe zum Fan“ – werden kaum vertieft. Dammholz‘ Formulierung, der Sender sei eine „Naturgewalt“, illustriert den hohen Eigenanspruch, der im Podcast nicht mit unabhängigen Marktdaten abgeglichen wird. Das Zitat, die Vielfalt sei der Leuchtturm, bringt die im Podcast zentrale Argumentation auf den Punkt.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie digitale Sportmedien-Startups abseits der großen Rechte-Pakete ticken.

Sprecher:innen

  • Kay Dammholz – DFB-Verantwortlicher für Medienrechte, Managing Director DFB.TV
  • Gisbert Wundram – Gründer und Chef von Sportainment (Sportdigital)