In dieser Episode von Weltwoche Daily empfängt Roger Köppel den US-amerikanischen Schauspieler und Kampfsportler Steven Seagal, der inzwischen auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt und als Sonderbeauftragter des russischen Außenministeriums tätig ist. Anlass ist Seagals neuer Dokumentarfilm The Final Countdown, der sich mit der Gefahr eines dritten Weltkriegs befasst. Das Gespräch bewegt sich zwischen biografischen Stationen – Seagals Kindheit, seiner Zeit als Kampfsportlehrer in Japan, dem Aufstieg in Hollywood – und politischen Stellungnahmen zum Ukraine-Krieg, zu Wladimir Putin und zur Rolle der USA. Köppel räumt Seagal viel Raum ein, seine Sichtweise darzulegen; eine kontroverse Einordnung oder Nachfrage zu zentralen Aussagen unterbleibt weitgehend. Die Diskussion wird von der Annahme getragen, dass die westliche Perspektive auf Russland grundlegend verzerrt sei und eine von wirtschaftlichen Interessen gesteuerte Elite den Krieg bewusst in Kauf nehme.
Zentrale Punkte
- Putin als „größter Weltführer“ Seagal bezeichne Putin als den „greatest world leader we have“, den er als freundlich, bescheiden und strategisch brillant erlebe. Er stelle ihn als einen Lehrer dar, dem er keine Ratschläge zum Kriegsende geben könne, da dieser weit mehr wisse als er selbst.
- Der Westen als Kriegstreiber Der Krieg in der Ukraine sei durch einen von der CIA inszenierten Putsch 2014 ausgelöst worden. Länder wie Deutschland und Polen verlängerten den Konflikt, indem sie Waffen lieferten; täten sie nichts, könne der Krieg schnell enden. Hinter den westlichen Regierungen stünden der „militärisch-industrielle Komplex“, Banken und Familien.
- Israel steuere die US-Politik In den USA gebe es eine „fast kriminelle Einflussnahme“ Israels, das die amerikanische Regierung gleichsam gekapert habe. Diese Behauptung verbindet Seagal mit scharfer Kritik an der Gaza-Politik und dem Vorwurf, Israel wolle „eine ganze Rasse vernichten“.
- Apokalyptische Endzeitdiagnose Die Welt stehe kurz vor einem dritten Weltkrieg; die „Weltuntergangsuhr“ sei näher an Mitternacht als je zuvor. Die Menschheit befinde sich zudem am Rande des siebten Massenaussterbens. Nur durch Diplomatie und das Zusammenwirken „guter Akteure“ wie Xi Jinping könne die Katastrophe abgewendet werden.
Einordnung
Das Gespräch ist ein Dokument politischer Selbstdarstellung: Steven Seagal präsentiert sich als spiritueller Diplomat, der über den Parteien steht, während er durchgängig die propagandistischen Kernnarrative des Kremls reproduziert – vom CIA-Putsch in Kiew bis zur angeblichen Vernichtung russischsprachiger Zivilisten durch die Ukraine seit 2014. Köppel versucht an wenigen Stellen zaghaft nachzufragen, etwa als er Seagal fragt, was er einer ukrainischen Mutter sagen würde, deren Sohn im Krieg gestorben ist. Die Antwort wird jedoch ebenso wenig kritisch eingeordnet wie die pauschale Behauptung, Israel übe „kriminellen Einfluss“ auf die US-Politik aus – eine Aussage, die im Raum stehen bleibt, ohne dass Köppel sie kommentiert oder problematisiert.
Gerade weil Köppel das Gespräch als Interview führt, ist das Fehlen jeglicher Gegenperspektive zur russischen Sichtweise auffällig: Ukrainische Stimmen, die den Krieg als Angriffskrieg beschreiben, oder westliche Expert:innen, die die NATO-Osterweiterung anders bewerten, kommen nicht zu Wort. Stattdessen wird das Format zum resonanzraum für Seagals Verschwörungserzählungen, etwa wenn er von „Familien“ spricht, die den Westen kontrollierten, ohne dass Köppel nach konkreten Belegen fragt. Eine Einordnung dieser Aussagen als politisch umstritten oder quellenlos unterbleibt. Die journalistische Leistung erschöpft sich weitgehend darin, Seagals Selbstinszenierung zu dokumentieren, statt sie zu befragen.
Hörwarnung: In dieser Episode werden ohne kritische Einordnung russische Propagandanarrative zum Ukraine-Krieg sowie antisemitisch grundierte Verschwörungserzählungen über eine angebliche jüdische Steuerung der US-Politik verbreitet.
Sprecher:innen
- Roger Köppel – Chefredakteur und Herausgeber der «Weltwoche»
- Steven Seagal – Schauspieler, Kampfsportler und russischer Sonderbeauftragter für humanitäre Angelegenheiten