Seit zehn Jahren versucht Happybrush, den von Oral-B und Philips beherrschten Markt für elektrische Zahnbürsten aufzubrechen. Im OMR Podcast spricht Gründer Stefan Walter mit Philipp Westermeyer über den mühsamen Aufbau einer Hardware-Marke mit wenig Kapital. Im Gespräch wird der Zahnpflegemarkt als träge und erstarrt beschrieben – ein Ort, an dem die großen Zwei ohne echten Wettbewerb agierten und Innovation wie Nachhaltigkeit verschlafen hätten. Der eigene Weg von Happybrush wird als bewusster Gegenentwurf dargestellt: ein langsames, aus eigener Kraft finanziertes Wachstum, das auf Unabhängigkeit statt auf Risikokapital setze. Die zentrale Prämisse: Nur durch radikale Andersartigkeit – in Design, Material und Ansprache – lasse sich das Duopol knacken.

Zentrale Punkte

  • Radikaler Markteintritt mit Design und Nachhaltigkeit Happybrush habe sich von Anfang an nicht als dritter Anbieter neben den Platzhirschen positionieren wollen, sondern als kompletter Bruch mit der etablierten Ästhetik. Die erste schwarze Zahnbürste im Drogerieregal und der Fokus auf recycelte Materialien sowie Holzfaser-Aufsteckbürsten seien eine bewusste Kampfansage an „unattraktive“ weiße Plastikprodukte gewesen.
  • Das Ökosystem als Antwort auf knappe Margen Das Geld verdiene man nicht mit dem einmaligen Verkauf des Zahnbürsten-Handstücks – die Produktionskosten lägen bei rund 20 Euro, der Verkaufspreis bei etwa 50 Euro, wovon der Handel eine hohe Marge einbehalte. Profitabel werde es erst durch das „Ökosystem“ aus Aufsteckbürsten, Zahnpasta und Mundspülung, das die Kundinnen und Kunden langfristig an die Marke binden solle.
  • Organisches Wachstum als Schutzschild Mit nur rund 5 Millionen Euro Investorengeldern in zehn Jahren und einem aktuellen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich setze Happybrush auf ein bewusst langsames, profitables Wachstum. Diese Selbstbeschränkung wird als Stärke verkauft – sie mache unabhängig von externen Geldgebern und schütze in Krisenzeiten. Dass man nach zehn Jahren noch nicht die 100-Millionen-Marke geknackt habe, sei daher kein Frust, sondern Teil der DNA.

Einordnung

Das Gespräch lebt von Westermeyers präzisen Nachfragen zu den wirtschaftlichen Kennzahlen, die selten so offen gelegt werden. Die Episode liefert ein ungeschöntes Bild davon, wie eng die Margen selbst bei bekannten D2C- und Retail-Marken tatsächlich sind und wie hart das tägliche Geschäft gegen übermächtige Konkurrenz ist. Dass Walter immer wieder auf die Notwendigkeit einer „schwarzen Null“ und den Verzicht auf Hypergrowth pocht, zeichnet ein glaubwürdiges Bild eines Unternehmers, der Kontrolle über schnelles Geld stellt.

Die kritische Einordnung des Duopols selbst bleibt jedoch oberflächlich. Die Macht von Oral-B und Philips wird primär über ihr Marketingbudget und eine angebliche Innovationsträgheit beschrieben, nicht aber über strukturelle Markteintrittsbarrieren wie Regulierung oder Rohstoffzugang. Die Erzählung vom „David gegen Goliath“ dient als emotionale Klammer, wird aber nicht mit konkreten Beispielen unterfüttert, wie das Duopol aktiv Marktverzerrung betreibt – die erwähnte „Brieffreundschaft“ mit anwaltlichen Schreiben bleibt vage.

Was die Perspektive verengt: Die gesamte Diskussion bewegt sich innerhalb einer Marketinglogik, in der eine „Lifestyle-Marke für eine junge Generation“ und die Frage nach der richtigen Verpackung aus Papier die entscheidenden Hebel für eine bessere Zukunft sind. Strukturelle Themen – etwa Arbeitsbedingungen in der Lieferkette oder die grundsätzliche Frage, ob ein batteriebetriebenes Konsumprodukt mit Holzfaser-Aufsätzen wirklich nachhaltig sein kann – werden nicht gestreift. Der Begriff der Nachhaltigkeit wird vor allem als Verkaufsargument eingeführt, ohne seine Widersprüche zu benennen.

Hörempfehlung: Für alle, die sich für die knallharten Zahlen hinter einem Hardware-Startup interessieren – Produktionskosten, Handelsmargen, Abhängigkeit vom Ökosystem – liefert die Episode wertvolle und seltene Einblicke.

Sprecher:innen

  • Philipp Westermeyer – Host, Gründer und Geschäftsführer von OMR
  • Stefan Walter – Gründer und Geschäftsführer von Happybrush