„Er schläft nicht, und das ist tatsächlich ein Problem“, sagte Außenminister Marco Rubio über Präsident Trump, um ihn als nahezu übermenschlichen Arbeiter darzustellen. Doch der Newsletter von Public Notice argumentiert, Rubio habe damit unfreiwillig das Gegenteil bewiesen: Trumps exzessive nächtliche Social-Media-Sitzungen seien ein Symptom seines sich rapide verschlechternden geistigen und körperlichen Zustands. Der Autor Justin Baragona führt eine lange Reihe von Beobachtungen an, die diese These stützen sollen. Dazu zählen öffentliche Auftritte, bei denen Trump sichtlich eindöst, Schwierigkeiten hat, geradeaus zu gehen, und unerklärliche blaue Flecken an beiden Händen aufweist, die das Weiße Haus lapidar mit vielen Handschütteln erklärt.

Die Beispiele für kognitive Aussetzer sind detailliert. So wird geschildert, wie Trump bei einer Zeremonie seine eigene Unterschrift bewunderte und bei der Erklärung einer Executive Order, die mehr Bundesangestellte feuern soll, nachfragen musste, wessen Idee das eigentlich war. In einem Interview wirkte er verwirrt über seinen eigenen, mit Elon Musk geschmiedeten Plan, die Goldreserven in Fort Knox zu inspizieren. Baragona zitiert die unbeholfenen Antworten Trumps, um eine zunehmende Gedächtnisschwäche und Konfusion zu belegen. Hinzu kommen mathematisch unmögliche Behauptungen, etwa die Medikamentenkosten um bis zu 1.000 Prozent gesenkt zu haben, sowie die wiederholte Verwendung des erfundenen Wortes „mutilization“ im Zusammenhang mit seiner Kampagne gegen Transpersonen.

Die zentrale Referenz des Beitrags ist ein Brief von über 30 Neurowissenschaftler:innen, Ärzt:innen und Psycholog:innen von Elite-Universitäten an den Kongress von Ende April. Sie warnen, Trumps „beschleunigter kognitiver Verfall“ stelle eine öffentliche Gefahr dar. Der Newsletter zitiert ausführlich aus dem Schreiben, das von einer „deutlichen Verschlechterung der kognitiven Funktionen“ spricht, von „grandiosen und wahnhaften Vorstellungen, einschließlich Behauptungen der Unfehlbarkeit“ und einem „bedeutenden Verlust der Selbstkontrolle“. Dies zeige sich unter anderem in manischen, spätnächtlichen Kommunikationsschüben mit über 150 Posts in einer Nacht. „Wir sind gezwungen, vor einem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu warnen, der zunehmend eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt“, heißt es in dem Brief, den der Text prominent platziert. Neben den medizinischen Warnungen führt der Autor auch prominente Stimmen aus Trumps eigenem Lager wie Tucker Carlson oder Marjorie Taylor Greene an, die öffentlich an dessen geistiger Verfassung gezweifelt hätten.

Als weiteres alarmierendes Zeichen wird Trumps bizarre Nutzung von KI-generierten Bildern auf Truth Social gewertet: von Öltankern, die in New York ankommen, bis zu Szenen, in denen er neben einem verhafteten Alien schreitet. Die Unfähigkeit des Präsidenten, komplexe Themen wie die Iran-Verhandlungen zu durchdringen – die er nun als „langweilig“ abtue – sei ein weiteres offensichtliches Indiz. „Es ist unsere professionelle Meinung, dass die Verhaltensweisen von Donald Trump tragischerweise weder momentane Aussetzer noch politisches Theater sind“, zitierte der Artikel den Brief der Mediziner:innen. „Es ist unsere professionelle Meinung, dass sie einen sich rapide verschlimmernden, von der Realität losgelösten, zunehmend gefährlichen Verfall widerspiegeln.“ Die Verantwortlichen seiner eigenen Regierung und die republikanischen Mitglieder des Kongresses täten indes nichts, sondern ignorierten, leugneten oder verspotteten die offensichtlichen Probleme. Der Artikel schließt mit der dringenden Forderung, Trumps Zustand als das zentrale Problem der Nation zu erkennen.

Einordnung

Der Newsletter von Public Notice, einem klar linksliberalen, Trump-kritischen Medium, liefert eine dichte Zusammenstellung von Indizien für Trumps geistigen und körperlichen Verfall. Der Autor tritt dabei aus einer dezidierten Gegner:innenperspektive an und bettet seine Argumentation in ein Narrativ der offensichtlichen, aber ignorierten Krise ein. Die Quellenbasis wirkt auf den ersten Blick eindrucksvoll, insbesondere der Brief der Mediziner:innen. Allerdings wird diese Ferndiagnose ohne die gebotene methodische Distanz als unumstößlicher Beweis präsentiert. Alle Verhaltensweisen Trumps werden konsequent durch die Linse des Verfalls gedeutet, alternative Erklärungen – etwa strategisches Kalkül von Ausfällen oder simple Provokation – werden ausgeblendet. Der suggestive Vergleich mit Demenz, die ausführliche Beschreibung von Äußerlichkeiten, auch wenn relevant, trägt zu einem Framing bei, das die Grenze zur Despektierlichkeit überschreitet und argumentative Schwächen kaschiert.

Die gesellschaftliche Relevanz des Themas ist unbestreitbar, da die Amtsfähigkeit des mächtigsten Menschen der Welt eine vitale Frage darstellt. Der Text ist daher für all jene lesenswert, die eine komprimierte Auflistung der aktuellen Auffälligkeiten aus einer konsequent oppositionellen Warte suchen. Leser:innen, die eine distanzierte, multiperspektivische Einordnung erwarten, sollten jedoch kritisch bleiben, da der Newsletter weniger analysiert als anklagt und ein bereits geschlossenes Weltbild bestätigt, anstatt es zu hinterfragen.