Das Altpapier: Kolumne: Das Altpapier am 27. März 2026 – Neutralität ist politisch
Eine pointierte medienkritische Analyse, die Leitmedien vorwirft, durch falsche Neutralität rassistische Narrative und rechtspopulistische Propaganda zu normalisieren.
Das Altpapier
21 min readDer Newsletter "Das Altpapier" vom 27. März 2026, verfasst von der freien Reporterin Antonia Groß, widmet sich einer scharfen Medienkritik am Umgang mit politischer Kommunikation. Die Autorin, die zu Medien, Geschlechterpolitik und rechten Netzwerken recherchiert, wirft Leitmedien ein Versagen bei der Einordnung von Aussagen des Bundeskanzlers Friedrich Merz vor. Merz habe Gewalt eines Prominenten instrumentalisiert, um gegen Zuwanderung zu polemisieren. Anstatt dieses Ablenkungsmanöver von misogyner Gewalt zu dekonstruieren, hätten etablierte Medien diese Narrative unkritisch reproduziert. Groß umschreibt dies als "Femonationalismus", bei dem der Schutz von Frauen lediglich dazu diene, rassistische Politik zu legitimieren.
Im zweiten Schwerpunkt analysiert Groß den Abschied des "Monitor"-Moderators Georg Restle und dessen mediale Rezeption. Restle habe klargemacht, dass Journalismus angesichts rechtsextremer Bedrohungen Haltung zeigen müsse. Die Autorin zitiert ihn pointiert: "Eine neutrale Berichterstattung reduziert sich am Ende zum Mikrofonhalter für diejenigen, die ihre Propaganda verbreiten wollen." Groß kritisiert, wie Medien versuchten, Journalist:innen mit menschenfreundlicher Haltung als Aktivist:innen zu diffamieren. Sie schließt mit der Beobachtung, dass Leitmedien zunehmend elitäre Narrative übernehmen. Dabei müssten sogenannte Woke als Sündenböcke für das Erstarken der Rechten herhalten, anstatt rechtspopulistische Netzwerke als gezielte Projekte zu entlarven.
## Einordnung
Der Text operiert aus einer machtkritischen, feministischen Perspektive, die klassische Neutralitätskonzepte radikal infrage stellt. Unausgesprochen liegt dem Text die Annahme zugrunde, dass Medien durch mangelnde Analysefähigkeit strukturellen Rassismus normalisieren. Auffällig ist das Framing von konservativer Politik als potenziell menschenfeindlich, während linke Stimmen als Vertreter:innen eines humanistischen Ethos gezeichnet werden. Die Autorin stützt sich vorwiegend auf linke Fachmagazine, wodurch konservative Perspektiven fast ausschließlich als Fehlerquelle im Diskurs stattfinden.
Der Newsletter besitzt eine hohe Relevanz, da er den Konflikt zwischen nachrichtlicher Abbildung und analytischer Einordnung im Journalismus tiefgehend seziert. Er ist absolut lesenswert für Bürger:innen, die sich für diskursanalytische Ansätze, feministische Perspektiven und eine kritische Auseinandersetzung mit politischer Rhetorik interessieren.