In dieser Episode spricht Moderator Thomas Ramge mit David Manjura, dem Gründer und Werkstoffingenieur des Startups ING 3D. Das Unternehmen druckt dreidimensionale Objekte nicht mit Kunststoff oder Metall, sondern mit mineralischen Grundstoffen – vor allem mit Perlit, einem Vulkangestein. Ein CO₂-Laser schmilzt das pulverförmige Material bei rund 1.000 Grad Celsius auf, was den Druck komplexer Geometrien ermögliche, die anders kaum herstellbar seien. Die Anwendungen lägen in Hochtemperaturdämmung, Luft- und Raumfahrt sowie Akustikelementen. Besonders am Herzen liege Manjura ein Renaturierungsprojekt: Gedruckte Strukturen aus Perlit böten Korallenlarven ideale Bedingungen zur Ansiedlung und könnten helfen, abgestorbene Riffe wieder aufzuforsten. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des noch jungen Unternehmens wird dabei durchgängig an Umsatzerwartungen und Investoreninteressen gemessen – ein unternehmerischer Rahmen, der als selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Zentrale Punkte
- Laser plus Sand als Nischenverfahren Die physikalische Grundidee beruhe darauf, dass siliziumdioxidhaltige Materialien bestimmtes Infrarotlicht fast vollständig aufnehmen. Mit einem CO₂-Laser gelinge es, Sande bei vergleichsweise niedriger Laserleistung zu Glas zu verschmelzen. Da es dafür keine Standardanlagen gebe, habe das Team eigene Maschinen und Software entwickeln müssen – ein Alleinstellungsmerkmal, das den Markteintritt verlangsame.
- Einzigartig, aber ohne Wettbewerber Weltweit sei ING 3D nach wie vor der einzige Anbieter für laserbasierten 3D-Druck von Hochtemperaturdämmung aus mineralischen Werkstoffen. Manjura sehe darin Fluch und Segen zugleich: Einerseits schütze ein Patent das Verfahren, andererseits fehle der belebende Effekt von Konkurrenz. Die fehlende Nachfrage könnte auch daran liegen, dass viele Dämmanwendungen mit herkömmlichen Methoden kostengünstiger realisierbar seien.
- Korallenprojekt zwischen Idealismus und Vermarktung Perlit biete Korallenlarven einen natürlichen, schützenden Untergrund und lasse sich durch den 3D-Druck reproduzierbar formen. Das Startup habe Tests mit der Universität Oldenburg durchgeführt und versuche, die gedruckten Riffbausteine als Werbeflächen für Unternehmen zu vermarkten. Ein Crowdfunding scheiterte jedoch an mangelnder Resonanz. Inzwischen verlagerten sich die Bemühungen auf Pilotprojekte vor Ort, etwa auf den Malediven.
Einordnung
Die Episode liefert einen anschaulichen Einblick in die Herausforderungen einer hochspezialisierten Technologieentwicklung. Die Gesprächsführung ist sachkundig und stellt immer wieder praktische Rückfragen – etwa zur Konkurrenzsituation, zur Skalierbarkeit und zu den Grenzen des 3D-Drucks. Manjura argumentiert offen und selbstkritisch, auch was das Scheitern des Crowdfundings oder das Stocken des Markterfolgs betrifft.
Kritisch fällt auf, dass wirtschaftliche Prämissen kaum eingeordnet werden. Dass Umsatzwachstum, Investorenrendite und das Knacken der „Millionengrenze“ die zentralen Erfolgskriterien sein sollen, wird als naturgegeben dargestellt. Auch die Idee, Korallenriffe als Werbeträger zu nutzen, erfährt keine Nachfrage nach möglichen ethischen Spannungen zwischen Kommerz und Naturschutz. Der Gast spricht mehrfach von „geopolitischen“ Faktoren, die Pläne durchkreuzt hätten, ohne dass dies journalistisch vertieft würde. Schließlich bleibt die Frage nach der Energieintensität des Laserverfahrens unbeleuchtet – ein Punkt, der gerade bei mineralischen Werkstoffen naheläge, aber nur am Rande durch Manjuras Zukunftswunsch nach Fusionsenergie aufscheint.
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die sich für additive Fertigung jenseits der Standardmaterialien interessieren oder einen ehrlichen Blick in den Alltag eines Hardware-Startups suchen, lohnt sich die Folge.
Sprecher:innen
- Thomas Ramge – Moderator des Sprint-Podcasts, Technologiejournalist und Autor
- David Manjura – Gründer und Werkstoffingenieur des 3D-Druck-Startups ING 3D