In dieser im April 2026 neu aufgelegten Episode des „Lawfare“-Podcasts – ursprünglich aus dem Jahr 2024 – debattieren Jack Goldsmith und der Rechtswissenschaftler Lawrence Lessig über institutionelle Schwachstellen der US-Präsidentschaftswahlen. Anlass ist ein hypothetisches, jedoch realpolitisch fundiertes Szenario einer versuchten Wahlmanipulation. Der Diskurs ist stark juristisch und prozedural geprägt. Dabei wird die Verteidigung der bestehenden US-Verfassungsordnung als unhinterfragtes Ziel vorausgesetzt. Die massive parteipolitische Radikalisierung wird primär als technisches Problem gerahmt, das durch bessere Gesetzgebung gelöst werden müsse. Die Prämisse des Gesprächs geht wie selbstverständlich davon aus, dass demokratische Normen verfallen sind und nun durch wasserdichte juristische Architekturen ersetzt werden müssen. ### Zentrale Punkte * **Verlust der Sondervollmacht** Lessig erkläre, dass die Theorie einer verfassungsrechtlichen Befugnis des US-Vizepräsidenten zur Ablehnung von Wahlleuten historisch haltlos und durch jüngste Reformen endgültig entkräftet sei. * **Gefahr durch Bundesstaaten** Das eigentliche Risiko bestehe darin, dass radikalisierte Parlamente in den Bundesstaaten ihre Wahlleute gesetzlich zwingen könnten, entgegen dem eigentlichen Wählerwillen des Staates abzustimmen. * **Lücken im Reformgesetz** Goldsmith und Lessig würden übereinstimmend betonen, das jüngste Reformgesetz regele zwar die Ernennung, schließe aber eine spätere rechtliche Nötigung der Wahlleute im Wahlnachspiel nicht aus. ### Einordnung Der Podcast besticht durch tiefe juristische Expertise und weitreichende historische Kontextualisierung. Die komplexe Wahlmechanik wird hochgradig detailliert seziert. Auffällig ist jedoch die fast ausschließlich technokratische Rahmung: Gesellschaftliche Dynamiken oder systematische Wähler:innenunterdrückung (Voter Suppression) bleiben zugunsten einer elitären Institutionen-Betrachtung völlig unerwähnt. Dies manifestiert sich sprachlich, wenn Lessig den gezielten Verfall demokratischer Normen wiederholt als „fog of war“ (Nebel des Krieges) beschreibt – ein militärischer Begriff, der bewusste, demokratiefeindliche Strategien verharmlosend als diffuse, unvermeidbare Unübersichtlichkeit naturalisiert. **Hörempfehlung**: Lohnend für Hörer:innen, die sich für die verfassungsrechtlichen Mechaniken und die hochkomplexen institutionellen Schwachstellen des US-Wahlsystems interessieren. ### Sprecher:innen * **Jack Goldsmith** – Host und Jurist, strukturiert den Diskurs mit gezielten Nachfragen. * **Lawrence Lessig** – US-Rechtswissenschaftler, Experte für verfassungsrechtliche Wahlmechanik.