Die Wochenendausgabe von „Apokalypse & Filterkaffee" widmet sich abseits der politischen Headlines der Popkultur und gesellschaftlichen Themen. Moderator Micky Beisenherz begrüßt den Moderator, Schauspieler und Buchautor Yared Dibaba, den er als „Stimme des Nordens" vorstellt. Das Gespräch bewegt sich zwischen leichtfüßigen Anekdoten über die Deutsche Bahn und Albumcover-Posen hin zu tiefergehenden Fragen über Sprache, Rassismus und den Umgang mit Vielfalt. Dabei wird die Annahme als selbstverständlich gesetzt, dass ein niedrigschwelliger, von persönlicher Erfahrung getragener Zugang wirkungsvoller sei als konfrontative Debatten – eine Perspektive, die der Gast mit seiner eigenen Biografie als in Äthiopien geborener, plattdeutsch sprechender Norddeutscher verkörpert.
Zentrale Punkte
- Der Papst als stiller Diplomat Papst Franziskus habe Marco Rubio bei einem Treffen einen Stift aus Olivenholz geschenkt – eine symbolische Geste des Friedenszweigs. Es sei unklar, ob Rubio diese Botschaft verstanden habe, was die Absurdität der aktuellen politischen Begegnungen unterstreiche, in denen der Papst und der US-Präsident wie Figuren einer Daily Soap aneinandergerieten.
- Sprache und das vermeintliche Redeverbot Dibaba argumentiere, dass der oft beklagte Verlust von Sagbarkeiten kein schmerzhafter Einschnitt, sondern ein Privilegienabbau sei. Neue Begriffe zu lernen habe keine schlechten Nebenwirkungen. Die Debatte drehe sich meist um wenige Worte, bei denen Rücksicht auf Verletzbarkeit anderer nicht wehtue.
- Plattdeutsch, Oromia und geteilte Identitäten Dibaba beschreibe seine mehrfache Verwurzelung: die norddeutsche Heimatverbundenheit mit Grünkohl und plattdeutscher Sprache sowie seine Herkunft aus Oromia. Das Verbot der eigenen Sprache in Äthiopien motiviere ihn, bedrohte Sprachen zu schützen. Beides koexistiere, ohne sich auszuschließen, und verbinde ihn mit unterschiedlichen Menschen.
- Diversity-Training mit Langmut Dibaba verstehe seine Workshops als behutsames Training, das Menschen nicht überfordere, sondern an eigene Ausgrenzungserfahrungen anknüpfe. Er sehe sich als niedrigschwelliges Angebot, das Lust auf Vielfalt mache – effektiver als konfrontative, abschreckende Diskurse in sozialen Medien.
Einordnung
Die Episode profitiert von der spürbaren Wertschätzung zwischen Gastgeber und Gast und einer Gesprächsatmosphäre, die Raum für persönliche Erzählungen öffnet. Dibaba gelingt es, seine Doppelrolle als norddeutscher Entertainer und Diversity-Trainer glaubhaft zu verbinden und komplexe Themen wie Rassismus und Identität ohne akademischen Duktus zugänglich zu machen. Seine Schilderung, wie er Menschen „da abholt, wo sie sind", konkretisiert sich in biografischen Beispielen, die nachvollziehbar machen, warum ein gelassener Ton mehr bewirken könne als moralische Empörung.
Die Diskussion verbleibt jedoch weitgehend in einem Konsens, der keine echten Reibungspunkte erzeugt. Das Gespräch über Sprache und Diskriminierung setzt voraus, dass mehr Sensibilität grundsätzlich erstrebenswert sei – eine Prämisse, die jene nicht überzeugt, die Sprachwandel als Einschränkung empfinden. Die Frage, wo Grenzen des Verständnisses liegen könnten oder ob bestimmte Formen von Diskriminierung doch Konfrontation erfordern, wird nicht vertieft. Die längere Werbepassage für die Fußball-WM 2026, deren umstrittene Vergabe und menschenrechtliche Implikationen nur kurz gestreift werden, steht in auffälligem Kontrast zum sonstigen Bemühen um Sensibilität.
Hörempfehlung: Für alle, die eine persönliche, undogmatische Perspektive auf Identität und Vielfalt schätzen und erfahren möchten, wie norddeutsche Gelassenheit und globale Herkunft zusammenklingen können.
Sprecher:innen
- Micky Beisenherz – Moderator von „Apokalypse & Filterkaffee"
- Yared Dibaba – Moderator, Schauspieler, Buchautor und Diversity-Trainer