Die Episode berichtet von Sarah Schmidts Besuch auf der US-Militärbasis Guantanamo Bay anlässlich des 25. Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001. Im Gespräch mit Moderatorin Natalie Amiri beschreibt sie die widersprüchliche Atmosphäre des Ortes und erläutert die Gründe für die jahrelangen Verfahrensverzögerungen. Als selbstverständlich wird dargestellt, dass ein Militärtribunal außerhalb des regulären Rechtssystems notwendig sei, um Terrorverdächtige zu verfolgen.

Zentrale Punkte

  • Guantanamos widersprüchliche Realität Schmidt beschreibe den Ort als „zwei Welten": Einerseits eine amerikanische Kleinstadt mit McDonald's und Kino, andererseits das Hochsicherheitslager mit NATO-Draht und Überwachungskameras. Der Zugang unterliege strenger militärischer Kontrolle, Journalist:innen müssten Fotos teilweise löschen.

  • Foltervorwürfe als Verfahrenshindernis Die Verfahren verzögerten sich, weil jahrelang Foltergeständnisse als Beweismittel genutzt worden seien. Der Anwalt James Connell argumentiere, man könne nicht gleichzeitig foltern und ein ordentliches Gerichtsverfahren führen. Dies habe die USA juristisch handlungsunfähig gemacht.

Einordnung

Die Episode leistet einen wertvollen journalistischen Beitrag, indem sie einen seltenen Einblick in ein weitgehend vergessenes Kapitel des „Krieges gegen den Terror" gewährt. Schmidt binde unterschiedliche Perspektiven ein: Angehörige der Opfer mit gegensätzlichen Gerechtigkeitsvorstellungen, Verteidiger der Angeklagten und eigene Beobachtungen vor Ort. Die Darstellung bleibe ausgewogen und vermeide vereinfachende Schuldzuweisungen. Kritisch zu sehen ist, dass die 15 verbliebenen Gefangenen nicht selbst zu Wort kommen – ihre Perspektive werde ausschließlich über Anwälte vermittelt. Auch die Frage, warum das Militärtribunal als alternativlos dargestellt wird, bleibe unhinterfragt. Der Begriff „mutmaßliche Terroristen" werde durchgehend verwendet, was eine Distanzierung signalisiere. Ein Zitat verdeutlicht das zentrale Dilemma: „You can't both have torture and due process. Torture is never acceptable under any circumstances." Die Episode eigne sich für Hörer:innen, die sich für internationale Rechtsfragen und US-Außenpolitik interessieren.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, warum Guantanamo 25 Jahre nach 9/11 noch existiert – fundierte Reportage mit seltenen Einblicken.

Sprecher:innen

  • Natalie Amiri – Moderatorin des Weltspiegel Podcast
  • Sarah Schmidt – ARD-Korrespondentin, besuchte Guantanamo Bay
  • John Groti – Colonel, Pentagon-Überlebender der 9/11-Anschläge
  • Colleen Kelly – Angehörige eines 9/11-Opfers
  • James Connell – Anwalt des Guantanamo-Angeklagten Al Baluchi

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