In dieser Sonderfolge spricht Moderatorin Rixa Fürsen mit dem Ökonomen Moritz Schularick über die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Krisen und geplante Steuerreformen. Das Gespräch verhandelt komplexe strukturelle Probleme fast durchgängig durch eine marktkonservative Brille. Ökonomisches Wachstum, Investitionsanreize und Wettbewerbsfähigkeit werden als unhinterfragte Leitprinzipien gesetzt. Staatliches Handeln, etwa der Erhalt des Sozialsystems oder die Ministerialbürokratie, wird als ineffizient und innovationsfeindlich markiert. Technologische Lösungen, Künstliche Intelligenz und die Selbstregulierung der Märkte werden hingegen als logische Auswege aus den Krisen präsentiert. Dabei bleibt die Grundannahme, dass wirtschaftsliberale Ansätze zwangsläufig dem Gemeinwohl dienen, weitgehend unangetastet. ### Zentrale Punkte * **Marktlogik bei Energiepreisen** Schularick argumentiere, der Staat solle bei Preisschocks nicht eingreifen. Hohe Kosten müssten vielmehr als Anreiz wirken, um den Umstieg auf ressourcenschonende Alternativen zu beschleunigen. * **Umbau des Steuersystems** Eine höhere Mehrwert- bei sinkender Einkommensteuer sei geboten. Schularick behaupte, dies entlaste Arbeitende und belaste indirekt die Konsumausgaben aus bestehenden großen Vermögen. * **Sozialstaat als Wachstumsbremse** Das Sozialsystem belaste die Wirtschaftskraft. Schularick fordere eine radikale Digitalisierung, um den personellen Verwaltungsapparat der Rentenkasse durch KI auf ein Minimum zu reduzieren. ### Einordnung Die Episode zeichnet sich durch verständliche makroökonomische Erklärungen aus, verbleibt dabei aber vollständig in hegemonialen Marktnarrativen. Fürsen hakt bei den sozialen Folgen einer Mehrwertsteuererhöhung zwar kritisch nach, lässt Schularicks Entgegnungen jedoch weitgehend stehen. Der Sozialstaat wird primär als Kostenfaktor gerahmt, was Schularicks rhetorische Konstruktion verdeutlicht, wenn er staatliche Zuschüsse ins Rentensystem als Geld markiert, das „in die Vergangenheit geht und nicht in die Zukunft“. Die Prämisse, dass Steuersenkungen auf Arbeit automatisch den Wirtschaftsstandort retten, wird als universelle Wahrheit präsentiert; alternative verteilungspolitische Perspektiven kommen nicht vor. **Hörempfehlung**: Für Hörer:innen, die nachvollziehen möchten, mit welchen Narrativen aktuelle Steuer- und Sozialreformen im Mainstream wirtschaftsliberal legitimiert werden. ### Sprecher:innen * **Rixa Fürsen** – Moderatorin und Journalistin * **Moritz Schularick** – Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW)