Der c’t Uplink widmet sich den schwelenden Konflikten bei zwei großen quelloffenen Office-Paketen. Zum einen geht es um die Auseinandersetzung zwischen OnlyOffice und dem von Nextcloud und Ionos initiierten Fork EuroOffice, die sich an umstrittenen Lizenzklauseln entzündet habe. Zum anderen wird der öffentlich ausgetragene Zerwürfnis zwischen der Document Foundation, der rechtlichen Hüterin von LibreOffice, und der Firma Collabora analysiert, deren Mitarbeitende einen Großteil der Entwicklung beisteuerten.

Die Diskussion nähert sich den Vorfällen mit einer Mischung aus technischer Tiefe und ironischer Distanz, wobei die Konflikte vor allem als juristische Spitzfindigkeiten und zwischenmenschliche Eitelkeiten verhandelt werden. Die zugrundeliegende Prämisse ist, dass Open-Source-Entwicklung inhärent gut und schützenswert sei, die aktuelle Situation aber durch ungeschickte oder böswillige Handlungen einzelner Akteure gefährdet werde. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Dimensionen – etwa die Rolle von Sanktionen oder die Finanzierung freier Software – werden zwar benannt, aber nicht als strukturelle Treiber der Auseinandersetzung vertieft.

Zentrale Punkte

  • Nicht forkbar durch Lizenz-Tricks OnlyOffice habe seine Software unter der AGPL-Lizenz mit widersprüchlichen Klauseln versehen. Diese schienen einen Fork zu erlauben, verböten aber gleichzeitig die Nutzung der Marke, was das Forken faktisch unmöglich mache. Die Free Software Foundation habe diese Zusätze für unwirksam erklärt, was den Fork EuroOffice legitimiert habe.
  • Rauswurf wegen drohendem Rechtsstreit Die Document Foundation habe rund 30 Mitglieder, die zugleich Angestellte von Collabora waren, aus der Stiftung ausgeschlossen. Als Grund werde ein existenzgefährdender Rechtskonflikt angeführt, bei dem es um Streit um Markenrechte für LibreOffice und die Verteilung von Einnahmen aus App-Stores gehe. Collabora interpretiere dies als aggressiven Schritt der Stiftung.
  • Persönlicher Streit statt technischer Differenzen Der Konflikt zwischen der Document Foundation und Collabora wird nicht auf technische Meinungsverschiedenheiten zurückgeführt. Im Gespräch wird er als persönliche Auseinandersetzung zwischen langjährigen Akteuren der Szene dargestellt, deren Ursprünge teils über ein Jahrzehnt zurückliegen und bei der es im Kern um Geld und Kontrolle über das Projekt gehe.

Einordnung

Der Podcast bietet eine wertvolle und detaillierte Einordnung der verworrenen Geschichte und der Akteure rund um LibreOffice und OnlyOffice. Besonders die präzise Erklärung der Lizenzmechanismen der AGPL und die Herleitung des Konflikts von den Anfängen bei StarOffice bis zur heutigen Gemengelage sind journalistisch stark und machen komplexe Vorgänge verständlich. Die kritische Distanz zu den Aussagen von OnlyOffice ist angemessen, und die Recherche zu deren ausweichender Kommunikation mit der FOSS-Community wird belegt.

Die Analyse bleibt jedoch stark auf die Ebene persönlicher Animositäten und formaljuristischer Streitigkeiten beschränkt. Der strukturelle Interessenskonflikt zwischen einer gemeinnützigen Stiftung und einem kommerziellen Unternehmen, das von genau dieser freiwilligen Gemeinschaftsarbeit profitiert, wird kaum als solcher problematisiert. Die wirtschaftliche Dimension – dass hier um die Kontrolle über ein Produkt gerungen wird, das für die „digitale Souveränität" öffentlicher Verwaltungen entscheidend ist – tritt hinter Anekdoten über zerstrittene Einzelpersonen zurück. Die ironische Rahmung als „Nerd-Gezicke" trägt zudem dazu bei, einen grundlegenden Governance-Konflikt zu verharmlosen, der für die Zukunft eines zentralen Open-Source-Projekts von erheblicher Bedeutung ist.

„Auf jeden Fall, das Friede Freude Eierkuchen, die Document Foundation kümmert sich um LibreOffice." (Sprecher 1, Minute 29) – Dieses Zitat verdeutlicht die im Podcast vorherrschende Darstellung des Konflikts als Bruch einer harmonischen, aber naiven Vergangenheit, wobei die immer schon vorhandenen gegensätzlichen Interessen zwischen Stiftung und Unternehmen ausgeblendet werden.

Hörempfehlung: Für alle, die die aktuellen Nachrichten um LibreOffice und OnlyOffice verstehen wollen, ist diese Episode eine fundierte und kurzweilige Pflichtlektüre – sie liefert den nötigen historischen und technischen Kontext, den reine Nachrichtenmeldungen vermissen lassen.

Sprecher:innen

  • Jörn Brien – Moderator, c't-Redakteur
  • Keywan Tonekaboni – c't-Redakteur mit Schwerpunkt auf Software-Lizenzen und Open Source
  • Sylvester Tremmel – c't-Redakteur, Experte für quelloffene Office-Lösungen