In dieser Episode des OMR Podcasts spricht Philipp Westermeyer mit Klaus Rader und Friedemann Findeis, den Gründern der Restaurantkette L’Osteria. Die beiden zeichnen ihren Weg vom Franchise-Betrieb bei McDonald’s über die Übernahme eines kleinen italienischen Lokals bis zum Aufbau eines Unternehmens mit 160 Filialen und einer Bewertung von 400 Millionen Euro nach. Gleichzeitig reflektieren sie das Scheitern ihres Parallelprojekts Vapiano, das nach einem Börsengang Insolvenz anmeldete. Im Zentrum steht die Frage, warum das eine Konzept bis heute wächst, während das andere kollabierte. Die Erzählung folgt dabei einem klassischen Gründermythos: Unternehmerischer Erfolg wird als Resultat harter Arbeit, einfacher Konzepte und persönlicher Leidenschaft dargestellt, während das Scheitern auf zu viel Komplexität und falsche Prioritäten zurückgeführt wird.
Zentrale Punkte
- McDonald's als Blaupause Die Systemgastronomie von McDonald's habe als entscheidende Lernstation gedient, weil Rader dort gelernt habe, wie man Abläufe standardisiert und ein Geschäft systematisch aufbaut – ein Wissen, das später direkt in die Skalierung von L’Osteria eingeflossen sei.
- Vapiano scheiterte an Komplexität Vapiano sei zu kompliziert gewesen, weil zu viele frische Komponenten, ein zu hoher Anspruch an die Architektur und ein übergroßes Menü die Abläufe verlangsamt hätten; während L’Osteria mit dem Fokus auf Pizza und Pasta bewusst einfach geblieben sei, habe sich Vapiano im Perfektionismus verloren.
- Gastlichkeit statt Technik als Kern Der Erfolg von L’Osteria gründe auf dem Prinzip der Gastlichkeit und persönlichem Service – in der Diskussion wird dies als Gegenpol zu einer rein technologiegetriebenen Gastronomie positioniert, bei der Bestell-Apps und Roboter die zwischenmenschliche Komponente ersetzen.
Einordnung
Die Episode funktioniert als dichte, kurzweilige Unternehmergeschichte mit greifbaren Erzählfiguren – der Lehrling, der zum Partner wird, der Bruch mit McDonald’s, der Aufstieg und Fall eines Börsenstars. Die beiden Gäste liefern eine klare, erfahrungsgesättigte Kontrastierung ihrer beiden Projekte, aus der Hörer:innen nachvollziehbare Erfolgsfaktoren für die Systemgastronomie ableiten können: Einfachheit, Skalierbarkeit und persönlicher Service.
Allerdings bleibt das Gespräch durchgehend innerhalb des Rahmens, den unternehmerischer Erfolg vorgibt. Expansion, Bewertungen und Anteilsverkäufe werden als selbstverständliche Ziele gesetzt, ohne dass etwa Fragen nach Arbeitsbedingungen in der Systemgastronomie, fairen Löhnen oder den Schattenseiten schnellen Wachstums Raum bekämen. Kritische Perspektiven – etwa von Franchise-Nehmer:innen, Mitarbeitenden oder der italienischen Konkurrenz – fehlen völlig. Die Insolvenz Vapianos wird allein auf operative Fehler zurückgeführt; strukturelle oder marktbezogene Gründe blendet die Erzählung aus. Stattdessen dominiert eine Rhetorik der Selbstermächtigung: „Wir lieben das, ja, wir lieben auch die italienische Küche“. Was als Leidenschaft verkauft wird, verdeckt, wie selbstverständlich hier betriebswirtschaftliche Logik, Wachstumsdruck und die Faszination für den großen Exit die gesamte Erzählung tragen.
Sprecher:innen
- Philipp Westermeyer – Moderator und Gründer von OMR
- Klaus Rader – Mitgründer L’Osteria, ehemaliger McDonald’s-Franchise-Nehmer
- Friedemann Findeis – Mitgründer L’Osteria und Vapiano, startete als Schüler bei McDonald’s