Die Episode des Wissenschaftspodcasts „IQ“ befasst sich mit der zunehmenden Ausbreitung von Zecken und den durch sie übertragenen Krankheiten in Deutschland. Die Autorin Daniela Remus besucht dafür verschiedene Forschungseinrichtungen und lässt Expert:innen aus Virologie und Parasitologie zu Wort kommen. Dabei wird die Thematik stark durch eine ökologische und evolutionäre Linse betrachtet: Zecken werden nicht primär als unheimliche Schädlinge, sondern als faszinierende biologische Phänomene gerahmt. Der voranschreitende Klimawandel wird in der Narration als unausgesprochener, unhinterfragter Treiber der aktuellen Risikolage vorausgesetzt, auf den sich die Natur und infolgedessen auch der Mensch einstellen muss. ### Zentrale Punkte * **Evolutionäres Erfolgsmodell** Zecken seien extreme Überlebenskünstler. Dank spezieller Fettspeicher könnten sie Jahre ohne Nahrung auskommen und hätten so globale Artensterben seit der Ära der Dinosaurier überstanden. * **Der Mensch als Fehlwirt** Viren hätten kein natürliches Interesse daran, Menschen krank zu machen. Der Mensch sei lediglich ein ökologischer Fehlwirt, der infiziert werde, weil das Virus nicht an seinen Organismus angepasst sei. * **Klimawandel als Ausbreitungstreiber** Neue FSME-Viren aus Osteuropa korrelierten mit veränderten Zugvogelrouten infolge milderer Winter. Die Vögel brächten infizierte Zecken in Regionen, die zuvor als völlig risikofrei galten. ### Einordnung Die Episode besticht durch fundierte Wissenschaftskommunikation, die komplexe mikrobiologische Prozesse anschaulich erklärt. Dabei gelingt eine sprachliche Entdramatisierung: Die Zecke wird nüchtern als evolutionäres Naturwunder betrachtet, Krankheiten als ökologische Unfälle. Auffällig ist jedoch, dass die Diskussion rein im naturwissenschaftlichen Konsens verbleibt. Der Klimawandel wird als Ursache für die Virusausbreitung als gesetzt betrachtet, gesellschaftliche oder politische Implikationen werden jedoch ausgeblendet. Stattdessen wird die Verantwortung zur Gesundheitsprävention diskursiv vollständig ins Private verschoben – das abendliche Absuchen des eigenen Körpers nach einem Spaziergang wird als primäre Lösungsperspektive gerahmt. **Hörempfehlung**: Eine sachliche und hochinformative Episode für alle, die ökologische Mechanismen verstehen wollen, statt sich nur vor Krankheiten zu gruseln. ### Sprecher:innen * **Daniela Remus** – Host und Wissenschaftsjournalistin * **Dr. Lidia Chitimia-Dobler** – Tierärztin und spezialisierte Zeckenforscherin * **Prof. Gerhard Dobler** – Virologe und Leiter Referenzzentrum FSME * **Prof. Ute Mackenstedt** – Parasitologin an der Universität Hohenheim * **Dr. Volker Fingerle** – Mikrobiologe am Referenzlabor für Borrelien