Der Cleantech-Journalist Rico Grimm stellt in dieser Ausgabe drei Entwicklungen in den Mittelpunkt, die er als Belege für den Erfolg von Energiewende-Technologien deutet. Er präsentiert Daten, die strukturell sinkende Strompreise, insbesondere für Neukund:innen, zeigen sollen. Inflationsbereinigt, so seine zentrale These, fallen die Preise und könnten einen jahrzehntelangen Trend einleiten. „Wir sehen inflationsbereinigt sinkende Strompreise. Im besten Fall beginnt hier ein jahrzehntelang anhaltender Trend“, schreibt er und verweist auf Spanien als Vorreiter, wo die Preise nach massivem Ausbau der Solarenergie drastisch sanken.
Ein zweiter hochaktueller Punkt ist eine Rekordfinanzierung für Solarfirmen, die nach einer erklärten Flaute im Jahr 2024 nun wieder anzieht. Für Grimm ist dies ein Beleg dafür, dass das von ihm immer wieder zitierte Swanson-Gesetz – die kontinuierliche Verbilligung der Solartechnologie – weiter Bestand haben dürfte. Die These: Mehr Kapital treibt sowohl den Ausbau als auch die Forschung voran.
Das letzte große Thema ist der deutsche E-Auto-Markt. In einer überraschenden Wendung zeigt der Newsletter für das erste Quartal 2026 hohe prozentuale Wachstumsraten bei den Neuzulassungen von Tesla und Stellantis. Grimm führt das drastisch nüchtern auf den Iran-Krieg und das „kurze Gedächtnis der Menschen“ zurück, die Elon Musks frühere politische Entgleisungen vergessen haben. Chinesische Hersteller wie NIO hingegen sehen sich als vorläufig gescheitert an, da preislich vergleichbare europäische Marken von Stellantis deutlich mehr zulegen können. Diese Entwicklung kommentiert er als eine Art Normalisierung des Marktes.
Ergänzt werden diese Charts durch eine breite Linkliste mit Kurznachrichten und Kommentaren, etwa zur brisanten Forderung eines Vestas-CEOs, den dänischen Atomausstieg zu bereuen und mehr auf Gas zu setzen, sowie zu einer neuen „Elektrifizierungs-Treppe“. Die Berichterstattung zeichnet ein Bild von einer dynamischen, technologiegetriebenen Industrie, die im Kern auf einem guten Weg ist. Ein Zitat aus dem Vestas-Interview untermauert Grimms Rahmung: Die Politik überlege nur noch, wie sie Krisen erkläre – nicht, wie sie sie löse.
Einordnung
Der Newsletter arbeitet mit einem stark datengetriebenen Narrativ, das Komplexität reduziert und einen klaren Fortschrittsglauben vermittelt. Die Perspektive ist die eines auf Wachstum und Marktlösungen fokussierten Brancheninsiders. Kritische Stimmen, die gesellschaftliche Kosten der Energiewende, Rohstoffkonflikte oder die reinen Profitinteressen hinter der Solarfinanzierung thematisieren, fehlen fast völlig. Es ist bezeichnend, dass die problematische Rolle von Elon Musk nur als „Hitlergruß“ erwähnt und dann übergangen wird, um das wirtschaftliche Comeback als reinen Fakt zu notieren; eine tiefere Auseinandersetzung mit den ethischen Implikationen des Konsums findet nicht statt.
Die implizite Annahme des ganzen Textes ist, dass mehr Investitionen, mehr Installationen und niedrigere Preise per se positive und erstrebenswerte Ziele sind. Dies festigt ein neoliberales und technokratisches Framing, in dem die unsichtbare Hand des Marktes die Probleme am besten löst. Für Branchenkenner:innen und solche, die einen schnellen, datenreichen Überblick über Cleantech-Märkte suchen, ist der Newsletter sehr lesenswert. Wer eine kritische Reflexion über Macht, Geopolitik oder soziale Gerechtigkeit in der Energiewende sucht, wird hier jedoch nur die halbe Wahrheit finden.