Die vom liberalen US-Medium Public Notice veröffentlichte Analyse zeichnet ein düsteres Bild der Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die vor allem in den USA ausgetragen wird. Der Beitrag – verfasst von einem Paul, herausgegeben von Aaron – stellt den Widerspruch ins Zentrum: Die WM soll Völkerverständigung und Freude bringen, während Präsident Trump das Land aggressiv abschottet und fremdenfeindlich auftritt. FIFA-Präsident Gianni Infantino, der den Weltverband ohnehin wie ein Diktator führe, hat sich zu einem engen Verbündeten Trumps entwickelt. Dies gipfelte in der Verleihung eines eigens erfundenen „FIFA-Friedenspreises“ – eine kaum verhohlene Schmeichelei, die Infantino mit einer Goldtrophäe und den Worten untermalte: „there is also a beautiful medal for you that you can wear everywhere you go.“ Infantino unterhält inzwischen sogar Büroräume im Trump Tower.
Die wirtschaftliche Ausbeutung der Fans wird drastisch beschrieben: Selbst die billigsten Karten für Vorrundenspiele kosten mehrere hundert Dollar, das Finale im MetLife-Stadion bis zu 57.000 Dollar. Ein zwischenzeitliches Verbot, Wasserflaschen ins Stadion mitzubringen – mutmaßlich zugunsten des Getränkemonopolisten Coca-Cola – wurde erst nach heftiger Kritik leicht gelockert. Die Anreise bleibt ein teures Vergnügen: 98 Dollar für eine halbstündige Zugfahrt von Manhattan nach New Jersey oder 225 Dollar Parkgebühr machen aus dem Erlebnis einen Luxus.
Doch der eigentliche Dämpfer für internationale Besucher:innen ist laut Newsletter Trumps Politik. Die Zustimmungswerte für die USA sind laut einer Pew-Erhebung in 15 von 24 Ländern deutlich gesunken, und viele Menschen misstrauen Trumps Außenpolitik. Sein Anti-Einwanderungskurs, Einreiseverbote und die Drohung von Heimatschutzminister Markwayne Mullin, internationale Flüge in sogenannte „sanctuary cities“ nicht mehr abzufertigen, schrecken ab. Der Financial-Times-Journalist Simon Kuper wird mit dem Satz zitiert: „I’ve never known Europeans — or a world — as anti-American as they are today.“ Besonders Kanadier:innen, die ein Viertel aller US-Tourist:innen stellen, fühlen sich durch Trumps Rhetorik von Kanada als „51. Staat“ brüskiert und bleiben fern. 2025 verzeichneten die USA den stärksten Tourismus-Einbruch seit über zwei Jahrzehnten – vier Millionen weniger Besucher:innen und acht Milliarden Dollar Verlust.
Für die WM selbst mehren sich die Warnsignale: In San Francisco berichten Airbnb-Vermieter:innen und Ticketverkäufer:innen von unerwartet niedriger Nachfrage. Eine Umfrage der American Hotel & Lodging Association ergab, dass die Buchungen in den Austragungsstädten hinter den Prognosen zurückbleiben. Fast 70 Prozent der Hoteliers nennen Visahürden und geopolitische Sorgen als Hauptursachen. Die Preise auf dem Wiederverkaufsmarkt fallen bereits. Der Autor räumt ein, dass die pure Fußballbegeisterung wohl ungebrochen bleibt – das Katar-Finale 2022 sahen 1,4 Milliarden Menschen –, aber viele werden die Reise scheuen und zu Hause bleiben.
Einordnung
Public Notice agiert aus einer klar liberalen, Trump-kritischen Haltung, die jede Facette des Turniers durch diese Linse betrachtet. Indem die Analyse fast ausschließlich Trumps Politik für sinkende Besucherzahlen verantwortlich macht, werden andere mögliche Gründe wie globale Wirtschaftsängste, Sicherheitsbedenken oder schlicht hohe Kosten ausgeblendet. Die Darstellung Infantinos als willfähriger Diktator und die Charakterisierung der FIFA als reiner Profitverein dienen vor allem der Skandalisierung. Stimmen von Befürworter:innen der Einreisekontrollen oder von Kommunen, die auf wirtschaftliche Impulse hoffen, fehlen vollständig. Das durchgehende Framing Trumps als „noxious cloud“ und der wiederkehrende Hinweis auf seinen Nationalismus stärken ein globalistisches, macht- und elitenkritisches Narrativ. Lesenswert ist der Newsletter für alle, die eine pointierte progressive Kritik an der Verbindung von Sportgroßereignissen und rechter Politik suchen. Wer eine ausgewogenere Analyse mit Blick auf auch positive Effekte der WM erwartet, sollte die klare Schlagseite der Argumentation im Hinterkopf behalten.