Von Tom, einem regelmäßigen Beiträger des von Aaron Rupar herausgegebenen, progressiven US-Newsletters »Public Notice«, stammt eine scharfzüngige Abrechnung mit der jüngsten Senatsbefragung von Anthony Fauci. Die Kernbotschaft: Die Republikanische Partei will mit dieser inszenierten Show dringend von Trumps katastrophalen Umfragewerten und seinen gebrochenen Wahlversprechen ablenken. Der Text zählt detailliert auf, was der Präsident in den ersten 18 Monaten seiner zweiten Amtszeit nicht erreicht hat – vom Ausbleiben des versprochenen Friedens in Gaza und der Ukraine bis zu weiterhin hohen Lebenshaltungskosten.

Statt positive Botschaften zu liefern, setze die GOP auf eine perfide Neuauflage der Pandemie-Geschichte, so der Autor. Er nennt konkrete, durch Falschaussagen geprägte Momente der Anhörung: Senator Tommy Tuberville habe fälschlich behauptet, die Impfstoffe hätten neun Millionen Menschen getötet, Senator Bernie Moreno gab Fauci eine Mitschuld am Tod alter Menschen, und Roger Marshall tat so, als seien Impfnebenwirkungen gefährlicher als das Virus selbst. Dem hält der Newsletter harte Fakten entgegen: In republikanisch geprägten Regionen mit niedrigerer Impfquote starben deutlich mehr Menschen an Covid-19. Selbst Trump ließ sich impfen und prahlte einst mit der schnellen Entwicklung der Vakzine.

Der Autor spitzt seine Argumentation mit ergreifenden persönlichen Beispielen zu. Ein ehemaliger Schulkamerad, überzeugter Trump-Anhänger, habe die Impfung verweigert und sei 2022 an Covid gestorben. »Kenny chose to die from his devotion to Trump«, lautet das gnadenlose Urteil. Er zitiert zudem die zentrale These des Newsletters: »The conspiracist strain of conservative grievance politics is itself viral: It spreads by producing a growing and thus increasingly profitable universe of clicks, eyeballs, subscribers, and followers.« Die republikanische Groll-Maschine sei ein Geschäftsmodell, das selbst Anhänger:innen gefährde, aber die Eliten immun lasse.

Einordnung

Der Text liefert eine effektvolle Dekonstruktion rechter Falschbehauptungen und zeigt, wie die GOP Vulnerabilität kaschiert. Stimmen aus dem republikanischen Lager oder kritische Perspektiven auf Faucis eigene Kommunikationsfehler (etwa zur Maskenpflicht oder zum Lab-Leak-Szenario) werden jedoch komplett ausgeblendet. Unausgesprochen unterstellt der Newsletter eine ungebrochene wissenschaftliche Autorität und blendet die Komplexität von Impfrisiken weitgehend aus, was die Zuspitzung erleichtert. Die personalisierte Schuldzuweisung, Republikaner nähmen Tote billigend in Kauf, ist ein starkes rhetorisches Mittel, das aber argumentativ über das belegbare Maß hinausgeht.

Lesenswert ist die Analyse für alle, die die Taktiken der republikanischen Wahlkampfkommunikation verstehen wollen und eine klare linksliberale Gegenposition schätzen. Eine Lesewarnung gilt jedoch für Leser:innen, die eine ausgewogenere Einordnung der Pandemiepolitik erwarten – hier regiert die polemische Zuspitzung.