Das Gespräch zwischen Adrian Goldberg und Rob Miller, dem Leiter der UK-weiten Cuba Solidarity Campaign, behandelt die Zuspitzung des jahrzehntelangen US-amerikanischen Drucks auf Kuba unter der zweiten Trump-Administration. Die historische und gegenwärtige Krise Kubas wird fast ausschließlich als Ergebnis externer Faktoren dargestellt: von der US-gestützten Mafia-Herrschaft vor 1959 über die von Exilkubanern in Florida finanzierte Blockadepolitik bis hin zur aktuellen, von Marco Rubio vorangetriebenen Strategie der „maximalen Härte". Miller zeichnet das Bild eines kubanischen Volkes, das sich bemerkenswert widerständig zeige und dessen bis 2025 erzielte sozialstaatliche Erfolge nun durch einen permanenten wirtschaftlichen Krieg zerstört würden.

Zentrale Punkte

  • Ökonomische Kriegsführung als Hauptursache Die aktuelle kubanische Krise mit stundenlangen Stromausfällen und steigender Säuglingssterblichkeit sei eine direkte Folge der verschärften US-Blockade, nicht interner Misswirtschaft. Gezielt werde unter Trump die Ölzufuhr unterbunden, was das öffentliche Leben, die Lebensmittelversorgung und vor allem die Funktionsfähigkeit der Krankenhäuser lahmlege.
  • Historische Schuld der Exil-Elite Die treibende Kraft hinter der Blockade sei eine ökonomisch mächtige Minderheit von Exilkubanern in Florida, die nach der Revolution enteignet wurde. Aus deren Besitzansprüchen speise sich die aggressive US-Politik, die in Wahlkampfzeiten besonders aufgeheizt werde, um die Wählerstimmen dieser einflussreichen Lobby zu sichern.
  • Solidarität als Überlebensstrategie Kuba könne nur durch internationale Solidarität, den raschen Ausbau von Solarenergie und eigene Widerstandskraft überleben. Miller beschreibt einen massiven zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt auf der Insel und verweist auf Hilfslieferungen seiner Kampagne, appelliert zugleich an Tourist:innen, die kubanische Wirtschaft durch Reisen direkt zu unterstützen.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt in der eindringlichen Schilderung der humanitären Notlage und dem detaillierten historischen Kontext, den Miller bietet. Die enge Verflechtung von Exil-Politik, US-Wahlkampftaktik und Wirtschaftsblockade wird für Hörer:innen nachvollziehbar aufgeschlüsselt. Miller spricht nicht als neutraler Journalist, sondern als leidenschaftlicher Anwalt der kubanischen Sache – eine Positionierung, die von Host Goldberg offen benannt und durch kritische Nachfragen zum Umgang mit politischen Gefangenen und mangelnder Meinungsfreiheit kontrastiert wird.

Die Argumentation verbleibt jedoch weitgehend in einer dichotomen Logik von äußerer Aggression und innerer Geschlossenheit. Interne Faktoren, etwa die ineffiziente staatliche Wirtschaftslenkung oder die Frage, inwiefern das politische System Kubas eigene Krisenanfälligkeiten produziert, werden nahezu vollständig ausgeblendet. Das kubanische Demokratiemodell, so Miller, sei „ihr System", über das allein die Kubaner zu entscheiden hätten. Diese Position ist aus souveränitätspolitischer Sicht kohärent, übergeht aber die auch innerkubanisch existierenden kritischen Stimmen und die Tatsache, dass die Fluchtbewegung der letzten Jahre nicht allein auf US-Sanktionen zurückzuführen sein dürfte. Besonders bemerkenswert ist Millers Versuch, eine Brücke zu britischen Brexit-Wähler:innen zu schlagen: So wie man in Großbritannien Souveränität für sich beansprucht habe, müsse man sie auch Kuba zugestehen. Dass die USA mit ihren Sanktionen britische Banken zu Strafzahlungen zwingen, entlarvt er als „Angriff auf uns alle" – eine geschickte, wenn auch instrumentelle Ausweitung des Solidaritätsbegriffs. Ein einziges Mal verdichtet sich Millers Perspektive auf die Frage nach Wandel in einem Satz: „No Cuban wants to carry on like they are now." Diese Aussage deutet an, dass Reformwille existiert, ohne ihn jedoch politisch zu konkretisieren.

Hörempfehlung: Die Episode bietet eine seltene, ausführliche Verteidigung der kubanischen Position und ist für Hörer:innen aufschlussreich, die den Konflikt jenseits westlicher Mainstream-Narrative verstehen wollen.

Sprecher:innen

  • Adrian Goldberg – Host; Journalist, der kritisch nach den internen politischen Verhältnissen in Kuba fragt.
  • Rob Miller – Direktor der UK-weiten Cuba Solidarity Campaign, historisch fundierter Fürsprecher der Insel.