Die Journalistin Antonia Groß vom Medien-Watchblog "Das Altpapier" analysiert die Berichterstattung über den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal "Timmy". Das Tier löste ein massives Medienspektakel aus. Groß argumentiert, dass diese Dauerbeobachtung vorrangig dem Aufmerksamkeitswettbewerb im digitalen Kapitalismus dient. Sie belegt dies an Redaktionen, die Überschriften rein für Suchmaschinen optimieren. Zudem beleuchtet der Text den Konflikt zwischen Politik und dem reichweitenstarken Influencer Robert Marc Lehmann. Dieser nutzte die Rettung für emotionalisierende Social-Media-Beiträge. Groß ordnet dies als Selbstdarstellung zur Reichweitengenerierung ein. Kontrastiert wird dies mit der wissenschaftlichen These, der Wal wolle vielleicht in Ruhe sterben. Die Rettungsaktion diene primär der menschlichen Psyche. Das enorme Interesse wird als Flucht vor komplexen Weltkrisen gedeutet. "Wenn man so will, ist die Geschichte vom gestrandeten Buckelwal auch nur ein weiterer Doomsrolling-Channel", pointiert die Autorin. Die Medien bedienen die Sehnsucht nach einem guten Ende, versäumen es aber eklatant, das Schicksal des Tieres mit systemischen Krisen wie Überfischung zu verknüpfen, da dies schlechter klickt. ## Einordnung Der Text besticht durch seine Dekonstruktion der Aufmerksamkeitsökonomie. Antonia Groß demaskiert das Framing der Medien, die ein isoliertes Naturereignis zum Blockbuster stilisieren. Kritisch entlarvt sie den modernen Influencer-Tierschutz als neoliberale Selbstvermarktung, bei der Empathie in Klicks umgewandelt wird. Die Berichterstattung erzeugt eine Illusion von Handlungsfähigkeit, die es den Rezipient:innen erlaubt, ihr ökologisches Gewissen zu beruhigen, ohne die kapitalistischen Ursachen der Naturzerstörung zu hinterfragen. Die Kolumne besitzt hohe politische Relevanz, da sie Mechanismen der medialen Verdrängung offenlegt. Sie ist äußerst lesenswert für Leser:innen, die verstehen möchten, wie algorithmische Zwänge und emotionale Eskalation unseren alltäglichen Nachrichtenkonsum steuern.