Die Episode verhandelt zwei große außen- und sicherheitspolitische Themen: das überraschende Abkommen zwischen den USA und dem Iran sowie das Ende des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS. Im Zentrum steht ein Interview mit Michael Schöllhorn, dem Chef von Airbus Defence and Space, das auf der Luftfahrtmesse ILA geführt wurde. Die Moderator:innen Helene Bubrowski und Michael Bröcker leiten durch die Themen, wobei das Gespräch mit Schöllhorn den Schwerpunkt bildet. Als selbstverständlich gesetzt werden dabei wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität als Ziele europäischer Politik. Der Iran-Deal wird vor allem unter dem Gesichtspunkt der Weltwirtschaft und der Öl-Handelswege beleuchtet, weniger in seinen humanitären oder völkerrechtlichen Dimensionen. Die Episode bewegt sich erkennbar im Rahmen eines sicherheits- und industriepolitischen Mainstream-Diskurses, in dem Aufrüstung und Verteidigungsfähigkeit als unhinterfragte Notwendigkeiten erscheinen.
Zentrale Punkte
- Iran-Deal mit offenen Fragen Die USA und der Iran hätten sich auf ein Abkommen geeinigt, verkündet durch Pakistan. Der Iran wolle die Straße von Hormus wieder öffnen, beharre aber auf einer gemeinsamen Kontrolle mit dem Oman – was den Aussagen Donald Trumps widerspreche. Die Frage des iranischen Atomprogramms bleibe ausgeklammert und solle in 60 Tagen nachverhandelt werden.
- FCAS-Scheitern als industrielles Versagen Airbus-CEO Schöllhorn stelle klar, dass nur der gemeinsame Kampfjet, nicht das gesamte FCAS-System beendet sei. Das Problem sei nicht mangelnder politischer Wille gewesen, sondern dass das „industrielle Alignment“ zwischen Airbus und Dassault systematisch nie gelungen sei. Die Politik habe der Industrie das Projekt „über den Zaun geworfen“, ohne die Wettbewerbssituation der Firmen zu berücksichtigen.
- Europäische Souveränität durch eigene Industrie Schöllhorn warne davor, einfach weitere F-35 aus den USA zu kaufen: Der Preis dafür sei, dass „die eigene Industrie dann irgendwann abgehängt ist“, und diesen Preis sollte Europa derzeit nicht zahlen. Für künftige Projekte brauche es eine führende Rolle der deutschen Industrie, weniger Komplexität und schnellere Entscheidungen.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt im ausführlichen Interview mit Michael Schöllhorn, das differenzierte Einblicke in das Innenleben europäischer Rüstungskooperationen gibt. Die Moderator:innen fragen kritisch nach den Ursachen des FCAS-Scheiterns und lassen Schöllhorn seine industriepolitische Sicht ausführlich darlegen. Der Kontext wird durch den Iran-Teil und die Brancheneinordnung auf der ILA gut abgerundet. Schöllhorns Argumentation, dass politische Großprojekte ohne abgestimmte industrielle Interessen scheitern müssen, wird nachvollziehbar entfaltet.
Kritisch bleibt, dass das Gespräch ausschließlich aus der Perspektive eines führenden Rüstungskonzern-Vertreters geführt wird. Die ethische Dimension unbemannter Kampfsysteme wird im Interview zwar kurz gestreift, jedoch allein als technisches Problem der KI-Täuschbarkeit verhandelt – nicht als grundsätzliche Frage nach autonomen Tötungsentscheidungen. Das eingangs präsentierte Iran-Abkommen wird durchgängig aus einer wirtschaftszentrierten und geopolitischen Sicht dargestellt; die Perspektive der betroffenen Bevölkerungen im Nahen Osten oder gar der Menschenrechtslage im Iran bleibt unerwähnt. Die zügige Abhandlung des WM-Tourismus am Ende verstärkt den Eindruck einer primär auf deutsche Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen fokussierten Agenda. „Der Preis, dass die eigene Industrie dann irgendwann abgehängt ist, ist ein Preis, den sollte Europa im Moment nicht zahlen“ – dieses Zitat Schöllhorns verdeutlicht, wie zentral die industriepolitische statt einer friedenspolitischen Rahmung verläuft.
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die die industriepolitischen Hintergründe europäischer Verteidigungspolitik und die konkreten Ursachen des FCAS-Aus verstehen wollen, bietet die Episode aufschlussreiche Einblicke aus erster Hand.
Sprecher:innen
- Helene Bubrowski – Chefredakteurin von Table Briefings, Moderatorin
- Michael Bröcker – Chefredakteur von Table Briefings, Moderator
- Michael Schöllhorn – CEO von Airbus Defence and Space, Interviewgast auf der ILA