Der anonym verfasste Newsletter „we all are robots“ versammelt vier aktuelle Meldungen aus der Robotik, die vor allem die Geschwindigkeit und Skalierung der Branche betonen. Im Zentrum steht der GD01 des chinesischen Herstellers Unitree: ein bemannter, 500 Kilogramm schwerer Mech, der zwischen zweibeinigem Gang und Vierfüßler-Modus wechseln kann – eine Art echter Transformer. Mit einem Einstiegspreis von umgerechnet rund 574.000 US-Dollar soll er als „weltweit erster in Serie produzierter wandelbarer Mecha“ auf den Markt kommen. Der Newsletter nutzt diese Meldung, um Chinas Kostenvorteile und Fertigungsmacht hervorzuheben: 90 Prozent der globalen humanoiden Roboter stammten 2025 aus China, Unitree selbst habe über 5.500 Stück ausgeliefert. Diese Zahlen rahmen die Entwicklung als Beleg für eine industriepolitische Überlegenheit, die westliche Konkurrenten unter Druck setzt.

Deutlich ambitionierter tritt das US-Startup Genesis AI auf. Mit dem KI-Grundmodell GENE‑26.5 soll Robotern eine menschenähnliche Manipulationsfähigkeit verliehen werden. In Demonstrationsvideos kocht das System eine 20-Schritte-Mahlzeit, löst einen Zauberwürfel mit einhändigen Tricks und spielt Klavier. Möglich macht das eine Kombination aus einem Datenhandschuh mit taktiler elektronischer Haut, der eine 1:1:1-Übertragung menschlicher Bewegungen auf die Roboterhand erlaubt, und einem massiven Datenfundus aus egozentrischen Videos und Internetsimulationen. Der Handschuh sei „100-mal billiger“ als übliche Hardware und ermögliche eine fünfmal effizientere Datenerhebung als Teleoperation – ein Framing, das Kostensenkung und Skalierbarkeit als Königsweg zur geschickten Maschine propagiert.

Das dritte Schlaglicht fällt auf Apptronik. Das mit 5,3 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen aus Austin hat Führungsposten mit Veteranen von Waymo, Boston Dynamics und Amazon besetzt und stellt einen neuen Humanoiden in Aussicht, der über den bisherigen Apollo hinausgehen soll. CEO Jeff Cardenas kommentiert die Personalien mit dem Satz, man sei „an einem entscheidenden Moment, in dem die Technologie endlich die Größe der Mission erreicht hat“. Die Botschaft: Der Wettlauf verlagert sich von spektakulären Demos hin zur industriellen Flottenunterstützung – untermauert durch laufende Pilotprojekte mit Mercedes‑Benz, GXO Logistics und Jabil. Der Newsletter zitiert Cardenas zustimmend und übernimmt damit das Narrativ eines unausweichlichen Robotik-Durchbruchs.

Abschließend wird SoftBanks neues Unternehmen Roze AI vorgestellt, das mit autonomen Robotern Rechenzentren bauen soll – ein Börsengang mit 100 Milliarden Dollar Zielbewertung wird für die zweite Hälfte 2026 avisiert. Der Newsletter ordnet dies als „Meta-Wette“ auf die physische Infrastruktur des KI-Booms ein und erinnert immerhin kurz an SoftBanks gescheitertes Pizza-Roboter-Startup Zume, ohne daraus grundsätzliche Zweifel an der Strategie abzuleiten.

Einordnung

Der Newsletter reiht sich ein in einen technikoptimistischen Diskurs, der Robotik vor allem als Wettrennen um Marktanteile, Kostenführerschaft und Skalierung inszeniert. Die Perspektiven von Herstellern, Investoren und Tech-Eliten dominieren; Stimmen von Arbeiter:innen, Gewerkschaften, Sicherheitsforscher:innen oder Regulierungsbehörden fehlen völlig. Unausgesprochen bleibt die Annahme, dass Automatisierung per se wünschenswert ist und ihre gesellschaftlichen Kosten – etwa Arbeitsplatzverluste oder der immense Energiebedarf neuer Rechenzentren – durch Effizienzgewinne aufgewogen werden. Besonders augenfällig ist die unkritische Feier der chinesischen Dominanz, ohne geopolitische Implikationen oder mögliche Menschenrechtsfragen entlang der Lieferkette zu thematisieren. Gelegentliche Hinweise auf gescheiterte Projekte wie Zume dienen eher als Feigenblatt, nicht als ernsthafte Risikoabwägung.

Für technologiebegeisterte Leser:innen, die einen schnellen Überblick über aktuelle Robotik-Schlagzeilen suchen, ist die Ausgabe durchaus informativ. Wer nach einer kritischen Einbettung, nach ethischen Fragen oder nach den sozialen Kosten der Automatisierungswelle sucht, erhält jedoch eine selektive, einseitige Erzählung – mit deutlicher Lesewarnung.