Auf der re:publica 26 hält der Lehrer und Bildungsblogger Bob Blume einen Vortrag über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Schule. Er inszeniert das Publikum dabei als Schulklasse, um traditionelle Unterrichtsstrukturen erlebbar zu machen und gleichzeitig zu dekonstruieren. Darauf aufbauend entwirft er drei Zukunftsszenarien für das Bildungssystem im Zeitalter der KI, die von Ignoranz über kritiklose Übernahme bis zu einem sinnvollen Einsatz reichen. Blume plädiert leidenschaftlich für ein Bildungsverständnis, das den Prozess des Lernens und die persönliche Entwicklung über das reine Produkt stellt.
Hausaufgaben seien schon immer ein „Bullshit-Szenario“ gewesen
Das System der Hausaufgaben sei grundsätzlich ungerecht und produkt- statt prozessorientiert. Die vermeintliche Krise durch KI lege nur eine bereits existierende Schwäche offen. Blume zufolge „priorisiert Schule nicht den Lernprozess, sondern das Produkt. Dann werden Schülerinnen und Schüler keinen Grund haben, die Aufgaben nicht von Programmen erstellen zu lassen“.
Das „Bullshit-Szenario“ ignoriere die Realität der KI-Nutzung
Die offizielle Reaktion auf KI sei ein anachronistisches Ignorieren oder ein hilfloses Gegensteuern. Blume kritisiert die Idee, zur Verhinderung von KI-Nutzung auf Handschrift zu setzen, als realitätsfern: „Die Gym-Studie [hat] gezeigt, [...] dass bei Befragungen es schon fast keine Schülerinnen und Schüler mehr gibt, die bei Hausaufgaben keine KI nutzen.“
Das „Hype-Szenario“ reduziere Bildung auf Effizienz
Die unkritische Begeisterung für KI laufe Gefahr, Bildung auszuhöhlen. Wenn Wissen und Denkprozesse vollständig an Maschinen ausgelagert würden, ginge die konstruktive „Zumutung“ verloren, die Bildung ausmache, wie etwa „jemand[em] zuzuhören, dessen Meinung man [...] gar nicht vertritt“. Blume nennt dieses Szenario „Bullshit-Szenario mit Glitter“.
Ein „sinnvolles Szenario“ brauche eine philosophische Grundlage
Eine konstruktive Nutzung von KI könne nur auf Basis eines geklärten Bildungsverständnisses geschehen. Mit Bezug auf den Philosophen Peter Bieri definiert Blume den Kern von Bildung: „Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel etwas zu können, wenn wir uns dagegen bilden, arbeiten wir daran etwas zu werden.“ KI müsse als Werkzeug dienen, um dieses Ziel zu erreichen, nicht um es zu ersetzen.
Die entscheidende Frage sei die nach der Relevanz
Der Schlüssel zur Lösung liege in der Motivation der Lernenden. Wenn Schüler:innen die Relevanz einer Aufgabe für sich selbst verstehen, sei der Drang, sie zu „hacken“, geringer. KI könne dann als ein hilfreiches Feedback-Instrument dienen, jedoch nur auf der „Grundlage dieses Interesse[s]“.
Emotionale Erfahrung sei das nicht Automatisierbare
Als performativen Höhepunkt tanzt Blume mit seiner Schwester auf der Bühne. Er zieht daraus die Erkenntnis, dass grundlegende menschliche Erfahrungen wie „Lebendigkeit und Connection“ durch KI nicht ersetzbar seien. Dies dient als emotionales Schlussplädoyer, dass Lernen mehr sei als Informationsverarbeitung und „Gefühle sich nicht outsourcen lassen“.