The Lawfare Podcast: Lawfare Daily: The Gulf Widens
Analyse der geopolitischen Folgen des US-israelischen Krieges gegen den Iran – von blockierten Handelsrouten bis zu bröckelnden Allianzen.
The Lawfare Podcast
47 min read3049 min audioIn dieser Episode analysieren Ariane Tabatabai und Elisa Catalano Ewers die geopolitischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des anhaltenden Krieges der USA und Israels gegen den Iran. Der Fokus liegt auf der asymmetrischen Kriegsführung Teherans, der Blockade der Straße von Hormus und den Reaktionen internationaler Verbündeter in Europa und Asien.
Auffällig ist die rein strategische Brille, durch die das Gespräch strukturiert wird: Konzepte wie die „Freiheit der Schifffahrt“ oder die Aufrechterhaltung der globalen Lieferketten werden als absolute, unhinterfragte Güter gesetzt, die massives militärisches Handeln prinzipiell rechtfertigten. Zivile Opfer, humanitäre Krisen oder die völkerrechtliche Legitimation des Krieges spielen in der Betrachtung keine Rolle. Der Diskurs verbleibt stattdessen streng innerhalb der hegemonialen Logik von militärischer Abschreckung, ökonomischen Kosten-Nutzen-Kalkülen und machtpolitischer Dominanz.
### Zentrale Punkte
* **Erfolgreiche asymmetrische Taktiken**
Der Iran gleiche seine konventionelle militärische Unterlegenheit durch gezielte Nadelstiche aus. Die Blockade der Seewege treibe globale Kosten in die Höhe, ohne iranische Routen zu gefährden.
* **Taktik schlägt Strategie**
Die US-Regierung fokussiere sich zu stark auf rein militärische Zerstörungserfolge durch Luftschläge. Ein tragfähiges strategisches Konzept oder ein diplomatisches Ausstiegsszenario fehle völlig.
* **Divergierende Kriegsziele**
Israels Ziel sei es, maximales inneres Chaos im iranischen Regime zu stiften, während die Golfstaaten und die USA eine vollständige staatliche Destabilisierung der Region eher fürchteten.
* **Innenpolitische Schmerzgrenzen**
Die immensen Kriegskosten und steigenden Energiepreise würden zunehmend zu einem innenpolitischen Problem in den USA. Der Kongress werde die Budgetfragen für parteipolitische Kämpfe instrumentalisieren.
### Einordnung
Der Podcast besticht durch eine hochgradig detaillierte, realpolitische Analyse der globalen Kettenreaktionen dieses Konflikts. Ewers dekonstruiert präzise die divergierenden Interessenlagen zwischen den USA, Israel, den Golfstaaten und China. Besonders stark ist die Einbeziehung oft vernachlässigter Faktoren, wie etwa der massiven Umweltrisiken durch im Kampfgebiet festsitzende Frachter. Kritisch zu betrachten ist jedoch die technokratische Kälte der Diskussion. Der Krieg wird durchgehend als reine Management-Herausforderung gerahmt. Exemplarisch für diese entmenschlichte Rhetorik ist Ewers' wiederholter Fokus auf die logistische und finanzielle Fähigkeit, den Krieg zu „prosecute“ (durchzuführen/abzuwickeln). Die Episode illustriert eindrücklich, wie stark imperiale Kosten-Nutzen-Logiken und militärische Prämissen den Mainstream-Diskurs außenpolitischer Eliten in Washington dominieren, in dem ziviles Leid schlichtweg nicht als Variable existiert.
**Hörempfehlung**: Empfehlenswert für alle, die verstehen wollen, nach welcher kühlen, realpolitischen und primär ökonomisch getriebenen Logik US-Sicherheitsexpert:innen globale militärische Eskalationen bewerten.
### Sprecher:innen
* **Ariane Tabatabai** – Public Service Fellow am Lawfare Institute
* **Elisa Catalano Ewers** – Senior Fellow am Council on Foreign Relations und CNAS