Die Episode des journalistischen Hintergrundformats beleuchtet aktuelle globale Konflikte und wirtschaftliche Verwerfungen. Im Zentrum stehen die juristischen Folgen der US-Zollpolitik, die Brutalität des Sudan-Krieges sowie die digitale Überwachung im Iran. Durchgängig wird eine westliche Perspektive eingenommen: Der Bedeutungsverlust des Westens durch den Irankrieg wird als wahrscheinliche Konsequenz dargestellt, während Krisen oft über ihre wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Effekte auf den Westen verhandelt werden. Die Rolle autokratischer Akteure wird klar benannt, bleibt aber meist auf deren strategische Interessen reduziert.

Zentrale Punkte

  • Sudan: Differenzierung der Kriegsschuld Kermani bestreite die Gleichsetzung der Kriegsparteien. Die RSF begehe einen durch die Emirate finanzierten Genozid, die Armee hingegen Kriegsverbrechen. Westliche Ignoranz verhindere politischen Druck auf die Förderer der Miliz.

  • Iran: Zynismus westlicher Freiheitsrhetorik Akbari zeige, wie Spyware die Iran-Überwachung perfektioniere. Westliche Aufrufe zum Sturz des Regimes seien zynisch, da die Bevölkerung unter Bomben und ohne Netz zugang keine Organisationsmöglichkeit habe.

  • Geopolitik: Westlicher Bedeutungsverlust Der Irankrieg zementiere das antiwestliche Narrativ der BRICS. China trete als stabile Supermacht auf, die USA als unberechenbar. Dies beschleunige den Bedeutungsverlust des Westens und die Abkehr des globalen Südens.

Einordnung

Die Sendung liefert fundierte Recherchen und wichtige Korrekturen gängiger Darstellungen: Kermanis Differenzierung im Sudan-Konflikt und sein Hinweis auf die Rolle der Emirate durchbrechen die pauschale Gleichsetzung der Kriegsparteien. Akbari verknüpfe die innere Überwachungssituation mit den äußeren Militärschlägen und zeige auf, dass westliche Appelle zum Aufstand die Lebensrealität vor Ort ignorierten.

Schwächen zeigen sich in der geopolitischen und wirtschaftlichen Einordnung: Die Berichterstattung zentriere stark Schweizer Wirtschaftsinteressen, etwa bei Zöllen oder Kakao. Bei der Analyse der BRICS-Staaten bleibe deren innere Repression gänzlich unerwähnt; sie würden ausschließlich als machtpolitischer Gegenpol zum Westen bewertet. Eine rein geopolitische Logik werde dabei als selbstverständlich gesetzt.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die tiefere Einblicke in den Sudan-Konflikt und die Mechanismen des iranischen Überwachungsstaats suchen, bietet die Episode wertvolle, seltene Perspektiven.

Sprecher:innen

  • Matthias Kündig – Moderator
  • Navid Kermani – Schriftsteller und Reisender
  • Asade Akbari – Professorin für Daten- und Überwachungsstudien
  • Urs Vögeli – Direktor Denkfabrik Siga
  • Zoe Geisler – Frankreichkorrespondentin
  • Isabelle Pfaff – Wirtschaftsredaktorin
  • Christian Vonburg – Wissenschaftsredaktor
  • Pascal Lago – Wirtschaftsredaktor